Herbstimpressionen an Nord-und Ostsee: Teil 1; Anreise

Die erste Station unserer Reise in den Norden unseres schönen Landes ist in Strücklingen auf dem „Reisemobilhafen Sagter Ems“ (GPS: N 53°7’18“; E 7°40’3″) von Lars und Anna. Sie führen diesen idyllisch, im Grünen gelegenen Platz seit Ostern diesen Jahres. „Es hat sich seitdem viel getan“ erzählt uns Lars bei einem Getränk in „Annas Stüble“. Der Stellplatz wird gut angenommen und besonders das gemütliche Lokal (geöffnet von Mittwoch bis Sonntag) ist fast immer ausgebucht.

Die Menschen kommen aus der ganzen Umgebung um Annas Küche zu genießen. Nebenan im gleichnamigen Kräutergarten wird Gemüse und vieles andere angebaut und kommt sozusagen frisch auf den Tisch.

Die Menschen kommen hierher wegen der Ruhe, der Weitläufigkeit des gut ausgebauten Wander-und Radwegenetzes aber auch wegen der Nähe zu Papenburg, Leer und Oldenburg. Ich lerne, dass hier am Stellplatz die „Deutsche Fehnroute“ vorbeiführt, ein Radwanderweg, der durch morastige Landschaften (Fehn) und sumpfige Niederungen führt. Spannend! Bei unserem nächsten Besuch werden wir diese Strecke fahren. Entsprechende Prospekte sind schon eingepackt.

Unser Dirty Harry fühlt sich gleich wohl auf dem großzügigen Stellplatz direkt am Wasser. Ja, wir sind mit unserem kleinen Wohnmobil unterwegs, es hat im Sommer neue Solarplatten (400 Watt) aus der Fachwerkstatt von Guido Neiken erhalten. (GNS Reisemobiltechnik) Diese Platten filtern sogar die Sonnenstrahlen bei Regen! ;-)).
Wir sind schon nach kurzer Zeit überzeugt von der fachkundigen Arbeit der Mönchengladbacher Meisterwerkstatt. Außerdem ist DH stolz auf sein neues Outfit. Vor der Sonne Afrikas wird er jetzt geschützt durch eine Lack-Versiegelung der Fa. CSS unseres Womo-Freundes Rudi Schnorrenberg. So fein parat gemacht, wollte der Kleine dann auch mal wieder auf Reisen gehen. Das Schietwetter hier im Norden erträgt er mit stoischer Ruhe, perlt doch das Wasser einfach an ihm ab. :-))
Wir verleben schöne Tage bei Lars im Saterland und genießen abends mit unseren lieben Freunden aus Bremen das leckere Essen von Anna.

Papenburg ist, wie schon erwähnt, nicht weit von Strücklingen. Wir erfahren von Lars, dass ein großes Kreuzfahrtschiff, gebaut in der Meyerwerft,  am Wochenende über die Ems geschickt werden soll. Da müssen wir doch kurz mal vorbei schauen. Die „Norwegian-Encore“ liegt majestätisch vor der großen Halle.

Obwohl wir auch schon auf großen Schiffen gefahren sind, ist man immer wieder bass erstaunt, wie so ein riesiger Pott aus der Halle raus kommt und über die winzige Ems geschleust wird. Echt sehenswert!

Was unseren Besuch aber besonders machte, war das Treffen mit netten Ostfriesen auf dem Parkplatz vor dem Schiff. Ich hatte Petra und Bernhard, die in Leer wohnen, angeschrieben, dass wir spontan in der Gegend sind und ob sie Zeit hätten uns zu treffen. Sie hatten eigentlich keine, waren aber in der Nähe und kamen kurzentschlossen mit ihrem Besuch zu uns gefahren. Eine dicke Umarmung ein kurzer Schnack und das Leben ist ganz einfach!

Da wir nun schon mal einen Schlenker gefahren waren, statten wir dem „Tor Ostfrieslands“ der Stadt Leer auch noch einen Besuch ab. Dieters ehemaliger Kollege Georg, der in dieser Stadt geboren ist, hatte uns einen Besuch seiner Heimatstadt ans Herz gelegt. Wir finden einen kostenlosen Stellplatz in der Nessestraße, (GPS: N 53°13’31“; E 7°27’15“) ideal geeignet für einen Stadtbummel. Wir wandeln auf Georgs Spuren durch die Stadt und befolgen seine Tipps.

So kehren wir im Weinhaus Wolff in der Brunnenstraße ein und bewundern die Bandbreite Ihrer Wein- und Spirituosenauswahl.

Was uns aber eigentlich dorthin gelockt hatte, war Georgs Tipp das alte Museum in den oberen Räumen zu besuchen. Dort hat die Familie noch alle Räume originalgetreu erhalten. Wir wandeln durch die Jahrhunderte.

So haben die Kaufmannsfamilien damals gewohnt und gearbeitet. Unglaublich wie gepflegt und gut erhalten alles ist. Dafür sorgt der Heimatverein, den Vorsitz hat die Familie Wolff. Wir kaufen einige gute Flaschen Rotwein. Nach dem Spaziergang durch die sehenswerte Altstadt genießen wir den Ostfriesentee genau in der winzigen Teestube, die Georg uns empfohlen hat.

Sie liegt direkt neben der Waage (ein sehr empfehlenswertes Restaurant) und der Brücke über die Leda. Wir sind mit Ostfriesland aber noch nicht ganz fertig. Nun geübt im „Schlenker fahren“, folgen wir noch einem Tipp von Anne, die schrieb: „Bummelt doch mal durch Oldenburg“. Eigentlich auf dem Weg nach Stade, machen wir uns auf nach Oldenburg und bereuen es nicht. Die Universitätsstadt überrascht mit schönen alten Häusern einem Schloss mitten in der Altstadt und einem wunderbaren Park.

Wir wollen hier übernachten und fahren die Stellplätze ab, die in der CamperApp gelistet sind. Am Kanal ist alles voll, gut der Platz ist auch klein. Auf dem nächsten Platz angekommen ist klar warum man dort nicht hin kann. Hier stehen die Fahrgeschäfte des größten Volksfestes in Norddeutschland dem „Kramermarkt“. Wir finden dann Aufnahme etwas außerhalb auf dem Gelände des Oldenburger Hymer-Zentrums! Dirty Harry fühlt sich hier gleich zuhause.

Die Bushaltestelle ist direkt vor der Tür, so steht dem Besuch der Stadt und des Kramermarktes nichts mehr im Weg. Nach einer ruhigen Nacht starten wir den Stadtbesuch. Wir gehen den kurzen Weg zur Bushaltestelle, aber —— es kommt kein Bus! „Hm komisch,“ sagt Dieter, ich hab doch extra zweimal geschaut“! Tja, wenn Autofahrer Busfahrpläne lesen sollen…., wird schwierig. :-(( Es stellt sich heraus, er hatte Abfahrt- und Ankunftszeit verwechselt. Es ist Samstag und diese Buslinie fährt nur alle 2 Stunden. Was nun tun. Ganz einfach, wir gehen zu Fuß. Wer gerade aus den Dolomiten kommt, macht sich doch vor 6 km nicht bang. Wir marschieren los und werden bald schon belohnt. Es kommt eine weitere Bushaltestelle in Sicht, von dort fahren mehrere Linien in die Stadt. Und eine kommt auch schon gleich angedüst. Mit dem hier typischen Gruß „Moin“ wende ich mich freundlich an den Busfahrer und frage ihn, an welcher Haltestelle wir für einen Stadtbesuch am besten aussteigen sollen. „An allen Haltestellen“, sagt der alte Mann dann kurzangebunden. Da stehe ich nun in der Eingangstür des Busses etwas dumm rum und bin nicht schlauer als vorher. Was soll ich denn mit der Antwort anfangen. Ca. 15 Haltestellen haben wir zur Auswahl. Also versuche ich es nochmal: „Entschuldigung, wir sind zum ersten Mal in Oldenburg, können Sie vielleicht etwas genauer sagen wo wir aussteigen sollen“. Ach so, zum ersten Mal! Na, dann bei Lappan aussteigen“. Für mich hörte sich das so dahin genuschelte Wort an, wie der Name einer französischen Stadt….. –Später lerne ich, dass mit Lappan der älteste erhaltene Glockenturm der Stadt gemeint ist, in dem sich auch die Touristinfo befindet–. Sich immer noch etwas unwissend fühlend setzen wir uns hin und betrachten gebannt die elektronische Anzeige. Es wäre doch gelacht, wenn wir nicht dort ankommen wo wir hinwollen, das haben wir in Marokko und sonstwo schließlich auch geschafft. Als die Haltestelle dann angezeigt wird, ergibt das Genuschele des Busfahres plötzlich Sinn. Wir erleben einen erfüllten Tag in der 160.000 Einwohner zählenden „Stadt der Wissenschaft“ und besichtigen bei Sonnenschein die vielen Sehenswürdigkeiten.

Empfehlen möchte ich den Besuch der St. Lamberti-Kirche aus dem 13. Jh. Als romanische Saalkirche erbaut, wurde sie mehrfach umgebaut. Heute lässt der äußere Eindruck nicht die dem römischen Pantheon nachempfundene Rotunde im Inneren vermuten. Am Pferdemarkt kaufen wir frische Pfifferlinge und was man sonst so für ein leckeres Abendessen braucht und geraten auf dem Weg zum Bus noch voll in die Kramermarkt-Aktivitäten. Straßensperren werden aufgebaut, die Menschen erwarten den großen Umzug. Es wird musiziert, getanzt und gelacht. -Ach, ich freu mich schon auf den Rosenmontagszug in Kölle! :-))

Wir schlendern über das Kirmesgelände und bewundern u.a. das große Riesenrad. Es ist das größte reisende Riesenrad der Welt! Leider geht es erst abends in Betrieb, wir wären gerne eine Runde damit gefahren. 


In der untergehenden Nachmittagssonne erreichen wir unseren eigentlichen Zielort, die alte Hafen- und Handelsstadt Stade! Wir stehen auf dem TOP-Platz in der Schiffertorstraße 21. (GPS: N 53 36‘ 10“; O 9 28‘00“). Von dort ist man in kurzer Zeit in der schönen alten Stadt. Anziehungspunkt für viele und auch unser Ziel ist der alte Hansehafen mit dem großen Holzkran.

Wir genießen den Rundgang noch in der Sonne, für die Nacht und die nächsten Tage ist Regen gemeldet. Wenn wunderts, wir sind im Norden. Mein Fahrer hat sich schnell angepasst. Er macht seine Morgenübungen im Regen. Soll ja auch schöne Haut machen der Nieselregen. :-))


Was macht man denn sonst noch bei dem Schietwetter. Na was wohl, —Schiffe gucken am Nordostseekanal— Gesagt, getan, der NOK liegt auf unserem Weg an die Nordseeküste. Wir fahren in Wischhafen über die Elbe und kommen auf der anderen Seite in Glücksstadt an. Jetzt stehen wir, ein paar Kilometer weiter in Burg, völlig alleine an der Fähre auf einem Parkplatz direkt am Kanal! ( GPS: N 53°58’54“; E 9°16’53“) Wie gut, dass wir so einen kleinen Dirty Harry haben…..

Hier herrscht reger Schiffsverkehr! Zum Kino-Feeling fehlt nur das Popkorn!

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