Sunshine-Tour im Winter: An der Costa del Sol

Jeden Morgen scheint mir beim Blick aus dem Schlafzimmerfenster die aufgehende Sonne, deren gleißendes Licht sich in den Meereswellen bricht, ins Gesicht. Die Brandung der Wellen an den Strand wiegt uns in den Schlaf. Wir stehen auf einem, wegen seiner Lage einzigartigem, Wohnmobilstellplatz in Torrox Costa an der Costa del Sol. Dazu später mehr.

Die 250 Kilometer von Vera nach Süden legen wir problemlos zurück. Die Autobahn A7 führt immer an der Küste entlang der Costa del Sol entgegen. Bald kommen wir in die Gegend von Almería. Ohne auf Schilder zu achten, weiß man das, denn die Gewächshäuser links und rechts der Autobahn nehmen zu. Sogar bis auf die Bergspitzen sind sie inzwischen gewachsen.

Unglaublich, fürs Auge schwer zu ertragen. Aber das ist der Preis, wenn man in Europa, und auch ich nehme mich davon nicht aus, das ganze Jahr über Paprika und Tomaten essen will. Willkommen im Plastikmeer von Almería! Wer das zum ersten Mal sieht, ist schon entsetzt über diesen Anblick. Rund 31.000 Hektar der andalusischen Provinz Almería sind mit Gewächshäusern aus weißen Plastikplanen bedeckt, ein Plastikmeer so groß wie München. Wir interessieren uns für die Geschichte der Gewächshäuser und sprechen mit der Mitarbeiterin der Touristinformation darüber. Es ist gerade niemand anderes im Büro und sie hat Zeit für uns. „Die Plastikplanen, unter denen heute soviel Gemüse heranwächst wie in keiner anderen Region Europas, sollten anfangs vor allem den Wind abhalten, der Saat und Erdreich mit sich davontrug“ erklärt sie uns. Almería war windig und arm und die Muttererde wurde mit dem Esel aus den Bergen in die sandige Ebene nahe dem Mittelmeer gebracht. Auf die Idee mit dem Plastik war 1963 ein Bauer gekommen. Das er die Wünstenprovinz Almería damit zu Europas Gemüsegarten machen würde, ahnte er nicht. Heutzutage dienen die Plastikplanen auch der Verhinderung von Schädlingsbefall und der Reduzierung von Wasserverdunstung. Aufwendige Meerwasser-Entsalzungsanlagen dienen mittlerweile in Spaniens Küstenregionen der Wasserversorgung!

Wir fahren weiter und freuen uns, dass die Gewächshäuser so langsam verschwinden und die Gegend, in die wir hinwollen, eher wieder plastikfrei ist. Wir erreichen den Wohnmobilstellplatz MiluCar (www.milucar.es) in Torrox Costa bei schönstem Sonnenschein. Wir folgen damit einer Empfehlung von Birgit und Hendrick, die wir in Calpe kennengelernt hatten. Sehr herzlich empfangen uns die holländischen Betreiber. Dieter hatte vorher hier angerufen und gefragt, ob wir kommen können. In diesen etwas anderen Zeiten, ist man auf der sicheren Seite, wenn man von seinem Ziel eine Reservierungsbestätigung hat. Der Stellplatz ist wegen seiner genialen Lage sehr begehrt und deshalb ist es immer ratsam, dort vorher anzurufen. Man fährt eine kleine steile Auffahrt hoch und steht dann oben auf einem Plateau und hat von jedem Platz aus einen phantastischen Rundblick auf das Mittelmeer.

Die vor dem Strand liegende Küstenstraße stört überhaupt nicht. Etwaige Autogeräusche werden vom beruhigenden Rauschen der Wellen geschluckt. Du kommst dir vor wie in der ersten Reihe einer breiten Kinoleinwand!

Hier wollen wir jetzt einige Tage bleiben. Wir müssen das längere Verweilen an einem Ort noch etwas „üben“. Morgens weckt uns das Anrollen der Wellen an die Küste. Wir schauen dem Sonnenaufgang zu, es ist aber noch ein wenig kühl. Also lassen wir uns Zeit, trinken den ersten Kaffee im Bett. Bald klettert die Sonne höher und die Temperatur steigt. Jetzt gehts an den Strand zum Morning-Walk, Dieter macht konsequent seine Körperübungen. Später genießen wir in der Sonne unser Frühstück und leben in den Tag hinein.

Wir freuen uns über 23°, jeden Tag. Dennoch ist es ja Winter und die Tage sind auch hier kürzer. Das heißt, das Abendessen wird ab 16.00 Uhr vorbereitet, damit wir noch in der Sonne essen können. Ab 18.00 Uhr wird’s langsam dunkel und kühler. Dann kehrt auch auf dem Platz eine herrliche Ruhe ein. Alle verschwinden in ihren Womos. Der Platz ist gut besucht. So langsam lernen wir unsere Nachbarn kennen, Deutsche, Engländer und Spanier sind hier vertreten. Unsere Nachbarin organisiert gerade ihr Wohnmobil neu. :-)) Da es hier fast nie regnet, ist das kein Problem.

Alle eint die Sehnsucht, den Winter in der Wärme zu verbringen.

Torrox-Costa ist eine andalusische Kleinstadt mit ca. 16.000 Einwohnern. Hier haben sich in den letzten Jahren viele Deutsche niedergelassen. Deshalb nennt man diesen Bereich an der Küste auch „Deutsches Dorf“. Eine gepflegte, palmengesäumte Strandpromenade lädt zum Bummeln ein. Der Strand ist teils mit dunklem Sand bedeckt, an manchen Strandabschnitten liegen zudem rundgewaschene Kieselsteine, ich kann nicht aufhören sie einzusammeln. Mein Fahrer hat schon Angst um das Gewicht im Womo. ;-))

Wir erfahren die Geschichte des noch jungen Stellplatzes. Marcella und Martin, sind Anfang 2018 mit ihrem Wohnwagen und dem 8 Monate alten Sohn hierher an die spanische Küste gekommen. Sie haben lange nach einem geeigneten Platz gesucht und ihn schließlich hier in Torrox Costa gefunden. Alles was es jetzt hier gibt, haben sie selber gemacht. Der Platz ist geschottert und Bäume sind gepflanzt. Der Platz war knapp ein Jahr eröffnet, dann kam Corona. Eine harte Anfangszeit für diese sympathische Auswandererfamilie.

Es gibt hier inzwischen Toiletten, Duschen und eine Waschmaschine. Marcella sorgt für ihre Gäste, bietet an, aus dem Supermarkt Getränke und andere schwerere Dinge mitzubringen. Man kann Brot und Brötchen bestellen aber auch Gemüsekisten und somit die lokalen Bauern unterstützen. Die Supermärkte liegen ca. 1. km entfernt, auch sehr gut zu Fuß erreichbar. Wir bekommen Tipps, was wir in der näheren Umgebung unternehmen sollen. Die weißen Dörfer Nerja und Frigliana sind von hier aus gut zu erreichen. Wir können ein Auto oder Fahrräder bei den Beiden mieten. Auf den „Balcón de Europa“ von Nerja möchte ich schon einmal hin. Vielleicht später auf dem Rückweg. Vorerst begnügen wir uns damit auf dem „Balkon von Marcella und Martin“ zu sitzen, den exorbitanten Rundblick und das schöne Wetter zu genießen. Dem Wellenschlag zuzusehen ist wie Yoga für die Seele. Tag für Tag geht die Sonne auf und unter und Tag für Tag branden die Wellen an den Strand. Schon so viele Jahre geht dieser Kreislauf und es wird immer so weitergehen. Die Natur lässt sich nicht so schnell aus der Bahn werfen. Das ist sehr beruhigend!

Die ein oder andere Wanderung machen wir aber. Bis nach El Morche, in den Nachbarort, führt ein Wanderweg immer am Strand mit seiner langen Promenade entlang. Alles ist gepflegt und sauber, Palmen säumen den Weg. Am Ende, bevor die Steilküste beginnt, gibt es ein frisch gezapftes Cerveza und leckere Tapas.

Wieder zurück am Stellplatz haben wir 12 km auf der Uhr. Zufrieden sitze ich auf meinem Balkon, genieße meinen Feierabend-Aperól und schaue den Wellen zu!

Ach ja, ein „Großereignis“ sollte nicht unerwähnt bleiben. Auch wenn in diesem Jahr, wie schon so oft gesagt, alles etwas anders ist, so muss man die Tradition dennoch aufrecht halten, gell Dagmar! Als Rheinländer wollen wir den Beginn der Karnevalssession am 11.11. irgendwie begehen. Wir feiern im kleinsten Kreis. Und dat „Lied vom Trömmelche“ muss ja nun mal gesungen werden! Die Leute um uns herum begegnen uns mit Abstand, haben aber Spass!:-))

Torrox Costa ist natürlich sehr touristisch geprägt. So wie alle Orte an der Küste, bestimmen die Hotelburgen das Stadtbild. Deshalb zieht es uns mal wieder in die Natur und hin in das ursprüngliche Dorf, Torrox-Pueblo, genannt. Wir folgen dazu dem Lauf des Rio Torrox hinauf in die Berge. Es ist eine schöne Wanderung durch die Felder der Bauern. An Avocado,-Zitronen- und Apfelsinenbäumen vorbei kommt nach ca. 5 km der letzte Anstieg und wir erreichen das typische Andalusien.

Weißgetünchte Häuser, enge Gassen und schmiedeeiserne Balkone bestimmen das Bild des Dorfes.

In einem der Lokale auf der doch sehr touristischen Plaza Constitución wollen wir nicht einkehren.

Um die Ecke rum in einer keinen Gasse finden wir dann etwas nach unserem Geschmack, das Carisma, tatsächlich ohne ‚h‘ geschrieben. Die gemütliche Bar gehört einem deutschen Ehepaar aus Leipzig. Sie sind schon vor über 30 Jahren ausgewandert, zunächst nach Gran Canaria. Seit einem Jahr sind sie in Torrox. „Wir haben uns sofort in das Dorf verliebt“, sagt Chris und ihr Mann Stefan nickt dazu. Sie betreiben das kleine gemütliche Lokal seitdem und bieten ein paar typisch deutsche Gerichte an. Über eine Currywurst mit selbstgemachter Soße z.B. freut sich mein Fahrer. ;-)) Den Kuchen werde ich beim nächsten Besuch probieren. Wir tauschen uns mit dem Beiden aus. Natürlich macht auch ihnen der Einnahmeverlust aus den Coronabeschränkungen zu schaffen. Aber Sonntags und Mittwochs gibt es hier Livemusik: Paul ist Ire singt und spielt super, es kommt dann noch sein Kumpel mit dem Kontrabass dazu. Herrlich! Wieder mal ein Gänsehautmoment. Ich lasse mir die leckere Sangria schmecken!

Am Donnerstag wollen wir unsere Reise fortsetzen. Die Costa de la Luz wartet! :-))

10 Kommentare bei „Sunshine-Tour im Winter: An der Costa del Sol“

  1. Vielen Dank für den schönen Bericht. Lese ich immer gerne. Wenn wir – vielleicht nächstes Jahr – mehr rum fahren, werden wir den Campingplatz besuchen. Euch eine gute Fahrt und bleibt gesund. Lg. Susi und Sepp

    1. Hallo Susi, schön von Euch zu hören. ja ist wirklich schön hier auf dem Stellplatz, insbesondere wegen der Lage! Bis bald mal wieder.
      Herzliche Grüße von uns

  2. Sehr schön geschrieben, habe großes Fernweh…..

  3. Wenn Ihr nichts Besseres zu tun habt … – wir haben heute eine Kurznachricht für Euch im Wohnmobilforum hinterlassen. Wir würden uns sehr, sehr freuen, von Euch zu hören.
    Gute Reise und bleibt gesund
    Uwe und Uschi (ebenfalls mit ML T 580 4×4)

    1. Hallo Ihr Beiden,
      Dieter antwortet Euch gerade übers Forum!
      Alles Gute….

  4. Hallo,
    wirklich unglaublich, also unglaublich schön… Dein Bericht hat uns jetzt so Lust
    auf diesen Ort gemacht, du kannst schon mal Bescheid sagen wir kommen
    mit Sicherheit vorbei. Natürlich werden wir uns vorher anmelden.
    Und ihr macht schön weiter so.
    Genießen Genießen Genießen
    Herzliche Grüße
    Martina und Roland

    1. Hallo Ihr Beiden,
      ja macht das mal. Ihr müsst wirklich vorher anrufen. Hier ist es relativ voll und die Plätze sind halt Wohnmobilplätze. Die Marcella ist supernett und spricht gut Deutsch. Wir wollen auf unserer Rücktour auch nochmal hier vorbeikommen.-))
      Machts gut ihr Beiden und wir werden weiter GENIESSEN!

  5. Martina und Roland sagt: Antworten

    Hallo,
    Unglaublich, wirklich unglaublich schön… Dein Bericht hat uns jetzt so Lust gemacht
    auf diesen Ort, du kannst schon mal Bescheid sagen wir kommen mit Sicherheit vorbei.
    Und ihr macht schön weiter so.
    Genießen Genießen Genießen.
    Ganz liebe Grüße
    Martina und Roland

  6. Hallo dream-team, der Bericht ist sehr gut geschrieben und ihr habt alles erfasst. Wir wünschen euch eine gute Weiterfahrt und das ihr es wieder so schön antrefft. Sonst kommt einfach wieder zurück. Viele liebe Grüße Petra und Jalah

    1. Machen wir.. Liebe Grüße u. weiterhin eine schöne Zeit!
      Dieter+Renate

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