Spanien: Die „weißen Dörfer“ Andalusiens

Nach einer, durch eine langwierige und engmaschige Zollabfertigung total verspäteten, aber ruhigen Überfahrt von Tanger Med. nach Algeciras freuen wir uns wieder in Europa zu sein. Die Sonne ist mit uns gereist und der Felsen von Gibraltar liegt majestätisch im blauen Wasser.

Wir merken schnell, dass wir in der „heimatlicher Umgebung“ sind. Die Zollformalitäten verlaufen geordnet und die Fahrt auf Spaniens Straßen ist ein Genuss. Wir aklimatisieren uns am langen Surferstrand von Tarifa und machen einen 10 km Spaziergang am Strand entlang. Herrlich entspannend! Die Reise durch Marokko war zwar superinteressant aber doch anstrengend.

Wir unterhalten uns beim Sundowner mit den jungen Leuten rechts und links von uns über ihre Lebensmodelle. Die einen nehmen eine Auszeit vom Studium, die anderen haben ihre Jobs gekündigt und leben erstmal in den Tag hinein. Ein Ingenieur, der schon in seinem jungen Leben 40 Länder bereist hat, verlässt seine leitende Position in der Firma, kauft sich ein altes Wohnmobil und lässt zur Zeit das Leben und neue Länder auf sich zu kommen. Wie anders ist doch unser Leben verlaufen. Wir haben immer zielorientiert gearbeitet, sind dazwischen im Urlaub gereist, haben auch viel gesehen, aber erst nachdem wir „fertig hatten“, sind wir losgefahren und lassen jetzt „das Leben auf uns zukommen“…. Was wohl besser ist?! Über diese philosophische Frage denken wir bei der zweiten Flasche Wein gemeinsam nach.
Wir tanken AdBlue und Gas und machen uns auf den Weg nach Conil de la Frontera zum Campingplatz Roche. Dieser Ort gehört auch schon in die Runde der „weißen Dörfer“.
Hier bleiben wir zwei Tage, treffen alte Bekannte wieder, waschen den Staub der marokkanischen Straßen innen und außen von unserem Wohnmobil und laden den Motorroller wieder ein.

Wie angenehm fühlt sich ein heißer, kräftiger Wasserstrahl unter der Dusche an! Dass ich über sowas mal nachdenke und mich darüber freue, das hat mich Marokko gelehrt. Auch freuen wir uns sehr über 50.000 Klicks auf unsere Reiseberichte und schlagen ein neues Kapitel unserer Winterreise auf. 
Wir fahren in einige der „weißen Dörfer“ der Sierra de Grazalema. Das Gebirge westlich von Ronda erreicht Höhen von mehr als 1500 Metern und ist durch viele Niederschläge grün und dicht bewaldet. Hier ist die Mandelblüte in vollem Gange und auch der wilde Ginster beginnt gelb zu blühen.




Ein Teil der Sierra ist als Naturpark geschützt, Wanderwege gehen links und rechts der Straße ab. Wir fahren durch eine wildromantische Bergstraße bis auf 1400 hoch und haben eine weiten Blick über den Stausee und das weiße Dorf Zahara de la Sierra.

Im Ort verbrachten wir vorher einige Zeit in den engen Gassen und bestaunten die weißgetünchten Häuser, die steil in den Hang gebaut sind. Dieter klettert auf die Burgruine; von hier hat er einen gigantischen Rundblick.

Der Prototyp eines weißen Dorfes ist Grazalema. Wir fahren mitten durch den Ort. Er liegt schon im Schatten, dementsprechend kühl ist es in den Gassen. Wir wollen nicht aussteigen, lassen den Ort aus dem Womo auf uns wirken.

Unser heutiges Ziel ist Ronda, die Stadt über der Schlucht.

>Wenn sich so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Rainer Maria Rilke, James Joyce, Ernest Hemingway und Orson Welles in einen Ort verlieben, muss er Charakter haben<. Das hatte ich irgendwo gelesen. Die Herren sind auch alle in einem kleinen Park in der Stadt verewigt. Charakter mag der Ort ja haben.

Gefallen hat es mir in dieser Touristadt nicht wirklich. Durch meine Höhenangst, kann ich nur begrenzt in die Tiefe schauen und diese Schlucht bewundern. Die Stadt liegt mutig auf einem Felsplateau und ist durch die besagte 160 m tiefe Schlucht in zwei Teile geteilt. Drei Brücken verbinden die beiden Stadtviertel, darunter die 1793 fertiggestellte Puente Nuevo, die fast jeden Bildband über Andalusien ziert.

Dieter ist begeistert von der Stadt und wäre auch den Pfad, der von der Altstadt in die Schlucht und wieder hinauf führt, gerne gegangen. Ich wollte weiter. Wir übernachten auf einem Parkplatz oberhalb der Altstadt, nahe an der Abbruchkante. Das muss für den ersten Besuch reichen :-))

Wir fahren auf der A367/384/A92 durch die wunderbare Bergwelt der Sierra Nevada, sehen ihre schneebedeckten Bergkuppen und passieren die Hauptstadt Andalusiens, Granada.

Olivenhaine ohne Ende, alles strukturiert mit Bewässerungskanälen und breiten Durchfahrten für die „Rüttelfahrzeuge“. Schön ordentlich europäisch. Das fällt uns nach den 4 Wochen Marokko total auf. Wir sehen viele Kraniche, die auf den Feldern das erste zarte Grün wegpicken.

Und kommen in eine Berggegend. Ich sage zu Dieter: „Hier ist es wie in einem Westernfilm!“.

Kaum ausgesprochen fliegt uns in der nächsten Kurve ein großes Schild an. „Little Hollywood“ und Westernstadt.

Links und rechts der Strecke Filmkulissen. Man sieht von weitem eine kleine aufgebaute Westernstadtkulisse.

Ich fühle mich sofort an Tucson in den USA erinnert. Dirty Harry wollte nicht über die Schotterpiste in den künstlichen Western-Ort mit seinen „Bretterbuden“ fahren. So schön sauber wie jetzt war unser Womo lange nicht. Nach einigem Murren meinerseits, hatte ich dann doch Verständnis für meinen Fahrer! Nach dem Motto “ das hatten wir in USA doch viel besser“. In dieser Gegend um Tabernas, wurden in der Tat viele einschlägige Filme gedreht. Der Regisseur Sergio Leone inszenierte in dieser Gegend >Eine Handvoll Dollar <.Auch Clint Eastwood machte hier seine ersten Schritte vor der Kamera. Ob in den Bergen auch seine „Dirty Harry“ Filme gedreht wurden, ließ sich nicht ermitteln. Also hier in die Gegend muss ich in Ruhe nochmal hin!

Nun stehen wir in Vera auf dem Stellplatz Oasis von Wolfgang, einem Kölner Unternehmer. Wir haben ihn vor einigen Jahren mal auf unserem Kölner Haus-Stellplatz kennengelernt. Er sagte, wir sollen doch mal vorbeikommen. Wie der Kölner das halt so sagt! Nach ca. 6 Jahren haben wir das heute nun getan. Wolfgang hat sich gefreut.

Hier steht alles was „Rang und Namen“ hat: Große Morelos, Concorde´s und NiBi`s. Der Platz ist schön angelegt und kostet 10 Euro ohne Strom. Hier ist alles deutsch geordnet. Jeder Platz ist gekennzeichnet und mit zwei Steinen markiert. Als wir ankamen, war nur noch ein Platz frei. Vor uns stand ein Düsseldorfer, der etwas rumkackte weil es dort keinen Stromanschluss gab. So haben wir den Platz bekommen. Die Kölner sind halt nicht so pingelig.;-)) (Sorry, Peter, das musste jetzt sein)

Man muss sagen, dass die Platzbetreiber alles tun, um den Wünschen der Gäste gerecht zu werden. Unser Platz war nur für einen Tag frei. Sie haben uns aber sofort noch für weitere Tage einen Platz im Gelände angeboten. Für unseren Allrad kein Problem, aber auch für die Großen nicht. Es gibt aber Leute, die wollen halt kuschelig stehen. So genießen wir hier allein und ungestört die spanische Sonne.

Schreibe einen Kommentar