Marokko: Eine Reise wert?!

Sogar mehrere, heißt unser Fazit nach der ersten Rundreise von etwa einem Monat und über 3000 km.

So einfach losfahren ist aber eher nicht ratsam. Da wir das Land nicht kennen und „Afrika“ eine andere Hausnummer ist, schließen wir uns mit Sabine u. Thomas zusammen und planen bei einem Vorbereitungstreffen die Reiseroute. Dabei orientieren wir uns an den Angeboten der einschlägigen Unternehmen, die geführte Reisen in Marokko anbieten und schauen, wo diese in den Wintermonaten so unterwegs sind.

Sabine hat die Route skizziert und wir halten uns zunächst weitgehend an diese Planung.

Wir treffen uns Anfang Dezember 2018 in Algeciras und starten unser Abenteuer.

Die Einreise nach Marokko mit den bei „Carlos“ erworbenen Tickets für 190,-€ Hin- und Rück mit offenem Datum hat sich bewährt.

Wir haben dazu die Route von Algeciras nach Tanger Med. gewählt, da die persönlichen Einreiseformalitäten bereits an Bord erledigt werden können und an Land quasi „nur“ noch das Auto eingeführt werden muss. Die Versicherung für unser Fahrzeug war bereits zu Hause geklärt und für Marokko freigegeben, ebenso unsere persönliche Krankenversicherung!

Wie man das Büro von Carlos findet, die genauen Abläufe usw. findet man im Sahara-Forum von Edith Kohlbach oder dem Reiseführer.

Unsere technische Ausstattung mit dem MLT 580 4×4 u. dem Ford Ranger m. Tischer Kabine ist von den Fahrzeugen her optimal.

Im Auge haben muss man das AdBlu-Thema für unsere Euro 6 Fahrzeuge und die Dieselqualität. Beides ist nach der Reiseerfahrung problemlos, AdBlu  gibt es in Kanistern und Diesel mit weniger als 50ppm Schwefel auch. Mein Turbolader wurde bei der Fa. Tec Power in Remagen höhentauglich getrimmt, da wir im Gebirge auf etwa 3000m gelangen werden!

Ich tanke, wo möglich, an den blauen Afriquia Tankstellen (Diesel hat dort immer 10ppm Schwefel). Kosten liegen zwischen 80-90 Euro-Cent pro Liter.

Gas für Heizung und Kochen/Kühlschrank ist ein gewisses Problem, unsere mitgebrachten Vorräte haben aber für 4 Wochen gereicht. Ansonsten gibt es die Möglichkeit auf etwas abenteuerliche Art aus marokkanischen Flaschen umzufüllen oder marokkanische Flaschen zu kaufen und an das eigene System anzuschließen (nähere Info`s gerne auf Nachfrage). Eine Füllung an den regionalen Gaswerken wurde uns zwei mal abgelehnt. Da die Nächte recht kühl sind, haben wir daher, wo möglich, mit Strom geheizt.

Strom ist allerdings ein Thema für sich, nicht nur das die Installationen abenteuerlich und gefährlich sein können (in meinem zweiten Leben gehe ich mit meiner Elektroausbildung nach Marokko und zeige mal wie es sein muß :-))) Ich habe in den Wüstenregionen Spannungen zwischen 165-240 Volt am Fahrzeug gemessen. Also empfiehlt sich, wenn man in dem Thema nicht autark ist, ein zusätzlicher „Spannungswandler“ der 220V stabil hält!

FDie Kommunikation über Telefon und Internet ist kein Problem. Wir haben sogenannte Prepaid-Karten für unsere Handys und das Tablet erworben und mit jeweils 5GB gültig für einen Monat aufgeladen. 5GB kosten bei Maroc Telekom 50 MDH, also etwa 4,50 €. Die Netzabdeckung ist sehr gut und nachladen der Karten an fast jedem Kiosk möglich. Der Vollständigkeit halber geht das entsprechen mit der Fa. Orange.

Bargeld sollte man auch haben, hier konnten wir bei der marokkanischen Post und den dort vorhandenen Geldautomaten der Al Barid Bank kostenfrei abheben.

Die Versorgung mit Lebensmittel ist überall gut und sehr sehr günstig, besonders bei Obst und Gemüse. Fladenbrot oder Baguette wird für 1-1,5 MDH angeboten, also im Centbereich.

Essen macht in den Garküchen und Straßenrestaurants für kleines Geld sehr viel Spaß, will man allerdings aufwendiger und mehrgängig Essen sind einschlägige gehobenere Restaurants empfehlenswert. Wir haben dort i.d.R. etwa umgerechnet 15,-€ pro Person bezahlt. Alkoholische Getränke und Schweinefleisch sind tabu!

Wer gerne Käse isst, sollte ihn aus Spanien mitbringen, wir haben kein entsprechendes Angebot gefunden. Wir uns zumindest tagsüber an Teetrinken gewöhnt und für gut befunden!

Auf die Menschen im Land muß man sich einlassen können. Es gibt ein extremes soziales Gefälle. Preise sind fast immer Verhandlungssache und man braucht  eine gewisse Übung mit dem Feilschen! Gerne haben wir hier und da den „Touristenzuschlag“ gezahlt, aber auch hart verhandelt, wenn es um Mitbringsel oder Dienstleistungen ging. Wenn anschließen beim Handschlag der Verkäufer noch lächelt, ist klar, beide Seiten können zufrieden sein.

In den sehr armen Regionen im Hochland, bei den Berber-Stämmen, war das Betteln der vorgeschickten Kinder und manchmal auch der Erwachsen grenzwertig, aber auch verständlich. Mit zwei Fahrzeugen sollte man mit größerem Abstand fahren, da die „Pänz“,wenn sie den ersten Wagen sehen loslaufen und beim Zweiten garantiert die Straße erreicht haben. Gute Nerven sind dann angesagt, besonders, wenn es nur im Schritttempo vorwärts geht und eine gewisse Aggressivität bei den Bettelnden entsteht! Beim nächsten Mal haben wir warme Kleidung, mehr Trinkwasser und auch Gemüsetüten dabei. Hier fehlt es einfach an allem und mit Bonbons, Kugelschreibern und T-Shirts ist es nicht getan!

Sicher haben wir uns während der ganzen Reise gefühlt. Besonders in den Städten nutzten wir nur bewachte Parkplätze, Stellplätze oder Campingplätze aus den Empfehlungen der einschlägigen Reiseführer oder Camper-Apps und sind damit gut gefahren. Die selbsternannten Parkwächter oder Führer haben wir mal akzeptiert oder auch nicht. Gut war, das ein entschiedenes „Non“ immer gewirkt hat. 

Überhaupt fanden wir das Thema Sprache unproblematisch, da unsere eingeschränkten Französich-Kenntnisse, mit etwas Englisch oder Zeichensprache aufgepeppt, immer weitergeholfen haben. Die Menschen mit denen wir zu tun hatten, waren freundlich und sehr hilfsbereit. Auch die „Obrigkeit“ hat uns kein mal Probleme bereitet. Besonders an den stadteinwärts regelmäßigen Polizeiposten wurden wir durchgewinkt, gegrüßt und oftmals salutiert! 

Die Natur in diesem Land ist sensationell schön und unterschiedlich in der Ausprägung. Besonders imponiert haben und die Gebirge, Pässe, Hochebenen, aber vor allem die Wüstenregionen.

Die Strassen waren für unsere Fahrzeuge problemlos zu meistern, wir haben aber auch große Wohnmobile, wie in Europa getroffen. Diese nutzen dann wohl eher die Autobahnen bzw. Nationalstrassen, um an ihrer Überwinterungsplätze im Süden des Landes zu gelangen. Am meisten verblüfft hat uns ein gefühlt 15m langer „Empire“ der uns auf einer Schotter-Piste am Rande der Sanddünen entgegen kam. Wo der wohl herkommt und übernachtet, haben wir uns gefragt, da die Zufahrt zu keinem der uns bekannten Camps möglich gewesen wäre!

Die Tage während unserer Reise sind kurz (Sonnenuntergang gegen 18.30 Uhr und Aufgang gegen 8.00 Uhr) Im Dunkeln sollte man keinesfalls fahren und eine Tagesetappe je nach Route nicht mehr als 200 km haben. Die Straßen haben ihrer Tücken und hohe Konzentration ist angesagt, Verwerfungen/Schlaglöcher können selbst bei vermeintlich guter Piste immer auftauchen, Fahrzeuge, Menschen, Tiere aller Art auch.

Alles in allem haben wir viel gesehen, gelernt und an Erfahrungen mitgenommen. 30 Tage Marokko, ca. 3000 km, haben fürs Wiederkommen und länger verweilen inspiriert. Die Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit (z.B. die Feldbestellung mit Pferd, Maultier oder Ochsen) das Leben organisieren oder die Frauen, die hochbepackt entweder mit Kind auf dem Rücken oder Viehfutter- und Reisigbündeln für den Unterhalt der Familie sorgen. Überhaupt, wie die Menschen den Alltag und das Überleben sichern, hat uns schwer beeindruckt!

Natürlich auch die alten Königsstädte, das Treiben in den Souks, das Spazieren in den Medinas, die Natur mit allen Facetten, erlebenswert.

Für die Wüste werden wir uns noch etwas besser ausrüsten müssen, aber auch hier hat uns die Hilfsbereitschaft/Unterstützung der internationalen WoMo-Fahrer Szene beeindruckt.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es doch: „Wenn es heißt die Welt wird an Plastik zu Grunde gehen“, trifft das auf Marokko allemal zu. Fast überall Müll und Plastikflaschen, je ärmer die Region, es wird einfach alles weggeschmissen oder mal verbrannt. Die schönsten Strände oder Naturschönheiten sind da, wo touristisch genutzt, übersät mit Plastik/Verpackungsresten. Die hygienischen Verhältnisse sind häufig für uns Europäer kaum zu ertragen, aber mit einem modernen Wohnmobil kein Problem. Auch, wenn die Ver- und Entsorgung, hier und da nur „arabisch“ gelöst werden kann!

Ich bin jetzt „Spezialist“ in der „One-Pott“ Küche und komme mit 1 qm Küchenzeile zurecht! Wir beide haben uns auch mit dem „Einraumappartement“ Wohnmobil auf ca. 5 qm netto Fläche über die Wochen gut arrangiert. -:)))

Ach so Wetter, hatten wir keines …-:)))

Obwohl es den ganzen November durchgeregnet haben soll (sah man auch an den Auswaschungen im Gelände und auf den Straßen) waren wir wohl absolute Glückspilze, was die Reise nochmal sehr optimiert hat!

D.h. nur Sonne mit Temperaturen zwischen16-24° Grad, nachts teilweise, je nach Höhe bis an die Frostgrenze.

Wir werden jedenfalls wiederkommen, gibt es doch noch für uns unentdeckte Regionen und Städte. Unser Fahrzeug und wir haben uns auf dieser quasi Testreise bewährt, immer wohlgefühlt und Demut dazu gewonnen!


2 Kommentare bei „Marokko: Eine Reise wert?!“

  1. Danke für eure tollen Berichte und Fotos!
    Schön das ihr wieder heil zurück gekommenen seid!
    LG Uschi & Manfred

    1. Ja, ist auch für uns ein schönes Gefühl.. der erste Supermarkt in Spanien hat uns direkt „verzückt“, weil wir halt verwöhnt sind -:)))

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