Wieder „on Tour“; In Saarburg, mit Corona-Regeln

Und plötzlich ist alles anders…..So oder so ähnlich beginnt oft ein spannendes Buch. Die fiktive Geschichte zieht mich dann in ihren Bann und am Ende wird meistens alles gut. Dass dieser Satz tatsächlich mal in meinem realen Leben Bedeutung haben würde, hätte ich nicht erwartet. Aber es war so. Mein letzter Eintrag in meinem Notizheft ist von Mitte Februar. Da beschreibe ich noch die schöne Winterlandschaft der Südtiroler Dolomiten. Von einem Virus, namens Corona aus China, hörte man zwar schon in den Nachrichten. Aber China ist ja weit weg! Ich feiere meinen Karneval in Köln voller Inbrunst und genieße jeden Moment des Rosenmontagszugs und bütze alle Prinzen, die mir über den Weg laufen.

Ich freue mich auf unsere anstehende Sport-Kur am Bodensee, auf einen schönen Aufenthalt in Saarburg und kann den Beginn unserer großen Afrika-Reise im zweiten Halbjahr kaum erwarten.—–Und plötzlich ist alles anders!

Das Virus hat den Weg nach Europa und in die ganze Welt gefunden. Man spricht jetzt von einer Pandemie. Tausende Tote werden jeden Tag gemeldet. Die Nachrichten über Covid-19 sind jetzt Pflichtprogramm. Wir sitzen jeden Vormittag vor dem Fernseher um die Pressekonferenz des Robert Koch Instituts (RKI) nicht zu verpassen. Wir lernen vom Chef des RKI Dr. Lothar Wieler was eine Reproduktionszahl ist. Seine sonore Stimme wird Alltag in unserem Wohnzimmer. Die Virologen werden die neuen Stars im Fernsehen. Ich bin beruhigt, dass wir soviel geballten Sachverstand in Deutschland haben. Nur als sie sich später anfangen, sich gegenseitig zu widersprechen werde ich langsam nervös. Der Begriff >Lock-Down< prägt jetzt unser tägliches Leben.

Wir lernen ein Abstandsgebot einzuhalten. Gründliches Händewaschen und Maskenpflicht gehört nun in unseren Alltag. Desinfektionsmittel sind das neue Parfum. Es gibt lange Wochen kein Toilettenpapier mehr. Warum das so ist, kann bis heute kein Experte erklären. Masken sind auch aus, gut dass man Freunde hat, die nähen können. Aber alles das hilft, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Wir schaffen es mit der Enttäuschung fertig zu werden, dass unsere Pläne für das laufende Jahr gecancelt sind und wenden uns unserem Zuhause zu. Hier ist so einiges liegengeblieben. Reisen hatte bei uns Priorität. Das Unkraut im Garten wundert sich, warum ich so oft komme und es wegmache, die Rosen freuen sich über die besondere Zuwendung. Wir halten uns mit einem eigenen Trainingsprogramm fit.

Wir nehmen teil an „Online-Biertastings“ und „Stay at home“ Weinproben. Und, auf die nächste Telefonrechnung bin ich schon gespannt.

Man gewöhnt sich an das etwas andere Leben. Die Welt um einen rum ist ruhig, keine Flugzeuge, kaum Autos, der Nahverkehr ist eingeschränkt. In der Stadt sind wenig Menschen unterwegs. Wir freuen uns über den nahen Wald, wir gehen dort walken und fahren Fahrrad im „Naturpark Rheinland“ wie der Kottenforst-Ville Grüngürtel jetzt heißt. Mittendurch fließt die Erft. Quasi direkt vor unserer Haustür gibt es auch viel zu entdecken! ;-))

Die gelbe Postbank im Garten wird mein Lieblingsort.

Wir besuchen unsere Wohnmobile, die überhaupt nicht verstehen, warum sie so lange hier rumstehen müssen. Die Hauptsache aber ist, gesund zu bleiben. Wir trinken mit unseren Nachbarn auch mal auf Abstand ein Bier im hinteren Garten und feiern Dieters runden Geburtstag im kleinsten Kreis.

Inzwischen sind zwei Monate vergangen und sein „Gasfuß“ wird merklich nervös. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer überschlagen sich mit Lockerungsvorschlägen. Politisch motiviert preschen einige vor. Wir sind verwirrt, irgendwie hat jedes Bundesland andere Regelungs-und Öffnungszeiten der Freizeiteinrichtungen verkündet. Im Internet kursiert eine Liste in welchem Bundesland die Campingplätze wieder öffnen werden. Die Termine sind überholt kaum dass sie veröffentlicht sind. Wir verlassen uns auf eine sichere Quelle und freuen uns über die Nachricht unseres Wohnmobilstellplatzes an der Saar. Sie dürfen wieder öffnen. Wir können kommen! Hurra! So hat zumindest diese Buchung geklappt. Jetzt wird’s bei uns zuhause doch auf einmal hektisch. Wie war das nochmal, was muss ich alles mitnehmen, wie lange bleiben wir, wo fahren wir später noch hin. Funktioniert die Technik noch, haben wir genug Gas und, und und….Die passenden Masken hatten wir besorgt.

Jetzt sind wir in Saarburg, dem „Klein-Venedig“ an der Saar. Die Stadt hat diesen Beinamen, wegen der idyllischen kleinen Innenstadt mit dem tosenden Wasserfall in der Mitte. Hierher fahren wir traditionell jedes Jahr im Mai. Die Veranstaltungen „Saarpedal“ und die „Kellertage in Ayl“ fallen in diesem Jahr aus besagtem Grund aus. Auch daran gewöhnen wir uns, ebenso wie an Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga. Das Virus ist ja immer noch da. Die Hauptsache ist, dass wir wieder unterwegs sein dürfen. Auf dem schönen Stellplatz der Brüder Rudi und Bernd Eilenz läuft der Betrieb so langsam hoch. (www.reisemobilpark-Saarburg.de)

Jede/r ist bedacht, alle Vorschriften einzuhalten. Die Stellplätze dürfen alle belegt werden, bei der Anmeldung ist Maskenpflicht und auf Abstand zu achten, Markierungen am Boden zeigen wo du stehen sollst. Desinfektionsmittel steht bereit. Auf der Terrasse, wo leckerer Eilenz-Wein und selbstgebackener Kuchen von Mutter Eilenz serviert wird, stehen die Tische auseinander und ein Schild weist auf „Corona-Regeln“ hin.

Wir verbringen das Wochenende mit Bea und Werner und feiern noch ein wenig weiter Geburtstag. Wir und auch alle anderen Stellplatzgäste werden gebeten, nur mit zwei Familien zusammenzusitzen. Wir grillen auf Abstand und halten uns an die Regeln.

Bei schönstem Sonnenschein und guter Stimmung machen wir eine Radtour an der Saar entlang nach Mettlach. Hier gibt es das große Outlet-Center von Villeroy & Boch und andere bekannte Firmen haben sich hier angesiedelt.

Wir besuchen auf der Radtour, die an der einen Seite des Flusses hin- und auf der anderen Seite zurückführt, den Park „Saarecks Ländchen“ in Mettlach, den Eugen von Boch 1850 zu einem Landschaftspark hat umgestalten lassen.

Die Tore waren bisher immer geschlossen, deshalb ist die Freude groß, dass wir jetzt hinein durften. Wenn schon die Biergärten in der Gegend noch geschlossen sind, machen wir wenigstens in Kultur. Ist halt alles etwas anders mit Corona. Neben Verpflegung und Wasser führen wir in den Fahrradtaschen auch immer eine Maske mit. Auf dem Weg nach Mettlach überqueren wir die Grenze von Rheinland-Pfalz zum Saarland. Man kann ja nicht alle Regelungen der jeweiligen Bundesländer kennen. In Mettlach tragen fast alle auch auf der Straße eine Maske. Beim Eisessen muss man schon ein wenig aufpassen. :-)) 40 km später sind wir wieder am Stellplatz und genießen die Sonne und den direkten Blick auf die Saar.

Bei aller Urlaubsstimmung und dem Drang die netten Menschen, die einen besuchen, umarmen zu wollen, bleiben wir achtsam und halten den Abstand ein. Das fällt schon etwas schwer.

Seit kurzem sind die Grenzen nach Luxemburg wieder offen. Was für ein Glück. Darauf hatten Christiane und André aus Luxemburg gewartet und kamen auf einen Überraschungsbesuch vorbei. Wunderbar!

Und wir besuchen in den nächsten Tagen mit unserem Krümel, den wir auf dem Anhänger mitgenommen haben, die Stadt Luxemburg.

Morgens trainieren wir auch hier auf dem Stellplatz oder laufen mit unseren Walkingstöcken durch die Saarburger Weinberge bis hoch auf den Warsberg. Die vielen Treppenstufen unterwegs vertiefen die Kondition. Von hier oben hat man einen tollen Rundblick. Die Natur lässt sich auch von einem Covid-19 Virus nicht beirren, alles blüht und die Trauben wachsen und gedeihen. Und wir hoffen, dass es uns weiter gutgeht!

6 Kommentare bei „Wieder „on Tour“; In Saarburg, mit Corona-Regeln“

  1. Servus Ihr Lieben,
    das liest sich ja im letzten Drittel sehr versöhnlich. Wir Bayern dürfen erst ab 30. Mai wieder on the road sein, zumindest was Campingplätze betrifft. Aber das halten wir auch noch durch.
    Sehr schöner Bericht, liebe Renate. Da ist der Schritt zum Buch auch kein großer mehr. Ich freu mich drauf.

    Keep on running und bleibt gesund!
    Toni & Beate

    1. Danke Ihr Beiden, schön, dass es bei Euch auch bald wieder los geht! Vielleicht begegnen wir uns ja unterwegs zufällig. Wäre schön! Und das Thema „Buch“ ist jetzt, dank Dir, auf meiner Agenda.
      Herzliche Grüße und passt auf Euch auf!

  2. Schön, wieder von Euch zu lesen! Wünschen euch eine schöne Reise!

    1. Danke Ihr Lieben, euch auch alles Gute auf der nächsten Reise und viel Glück und Erfolg mit der wunderschönen Marygold!

  3. Wie schön……mit etwas mulmigem Gefühl starten auch wir morgen in Richtung Saarburg, Euch zu sehen und Euch nicht knuddeln zu dürfen ist schon komisch, aber wir freuen uns trotzdem sehr und stoßen mit dem nötigen Abstand auf unser Wiedersehen an…..wenn alle vernünftig sind müsste das doch klappen….GlG von den Lü‘s

    1. Wir freuen uns, hier auf dem Platz ist aus unserer Sicht alles gut geregelt…
      Zwar voll, aber die Freiräume sind groß genug…wir fühlen uns wohl und sicher!
      LG

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