Sunshine-Tour im Winter: Die Westküste Andalusiens; Teil II

Ehe ich mich versehe, ist die erste Hälfte des Januars schon vorbei! Das Tief „Filomena“ hat sich auch verzogen, die Temperaturen steigen. Gute Aussichten, um mal wieder an den Strand zu fahren. Wir sind noch an der traumschönen Westküste Andalusiens, an der Costa de la Luz. Unser nächstes Ziel ist der schmucke Ort Rota, nicht weit entfernt von Chipiona, wo wir gerade am Leuchtturm waren.

Dieter hat im Navi die Adresse einer Gastankstelle in Rota eingegeben. So können wir auf dem Weg an die schönen Strände noch eine Versorgungsfahrt machen. Wir kommen in den Ort und fahren nach den Angaben des Navi. Mich wundert schon etwas, dass wir immer da abbiegen müssen, wo auch das braune Schild mit der Aufschrift „Centro Historico“ hinweist. Die Straßen werden enger und dichter. Es ist Sonntag, überall sind die Autos geparkt, die Spanier genießen ihren Frühschoppen in den kleinen Bodegas im quirligen Zentrum. Ich versuche meinen Fahrer auf meine Beobachtung hinzuweisen. Er sagt nur:“ Diskutierst du schon wieder mit dem Navi“. Ich habe die Adresse der Gastankstelle eingegeben, die wird schon hier irgendwo sein. Basta“! So sind sie die Fahrer. Dirty Harry fährt brav um jede noch so enge Kurve, Bordstein hoch und wieder runter. Es wird immer doller. Einmal müssen wir sogar gegen die Einbahnstraße fahren, wir wären sonst nicht um die Ecke gekommen. Die Spanier, die draußen an der Eckkkneipe mit ihrem Bier stehen, sind zunächst empört, dass jemand einfach die Straßenführung ignoriert. Aber dann johlen sie vor Spaß als sie den 4×4 kommen sehen! Bei Autos werden gestandene Männer zu Kindern.;-)) Mein Fahrer kann es nicht glauben. „Wo ist die Gastankstelle? Die muss doch hier sein! Ich hab doch die richtige Straße eingegeben, nur die Hausnummer hat das Navi nicht genommen“. Ah, da kommen wir der Sache näher. Gibt es die Straße vielleicht doppelt, in einem anderen Ortsteil!? Bevor wir das recherchieren, steigt Dieter aus und geht zu Fuß durch das Gassengewimmel. Er muss sich einfach vor Ort überzeugen, dass hier keine Gastankstelle existiert. Zurück am Womo, können wir das Thema jetzt emotionsloser angehen und finden nun auch in der App, die diese besonderen Tankstellen gelistet hat, Koordinaten. Diese führen uns sieben Kilometer auf eine breite Ausfallstraße mitten in die Gegend. Nach einiger Zeit liegt auf der linken Seite der Schnellstraße eine große, nicht zu übersehende Tankstelle. Ein Kreisverkehr leitet uns bequem in die Einfahrt. Ich beschäftige mich mit meinem Reiseführer und tue so als wäre es ganz normal, eine Tankstelle auf diese Art zu finden.:-))

Der Strandparkplatz in Rota ist gut gefüllt. Es ist Wochenende, da sind auch die Spanier unterwegs. Wir haben Glück und finden einen Platz. Dirty Harry kompakte Größe macht’s möglich. Es gibt hier eine Ver-und Entsorgung. Hier bleiben wir mehrere Tage. Der Parkplatz ist schön angelegt und man kann über einen kurzen Holzbohlenweg an die traumhaften Strände der Costa de la Luz gelangen. Wir treffen auf eine Gruppe deutscher Wohnmobile. Sie stehen schon seit Oktober hier! Na, ja. Jedem das Seine.

Wir genießen den breiten hellen Sandstrand und laufen auch gerne morgens zum Frühstück in den Ort. (ca. 4 km eine Strecke) Anstelle eines Leuchtturms bildet das Castillo de la Luna mit seinen fünf zinnbesetzten Türmen einen markanten Fixpunkt. Die meist weißgetünchten Häuser weisen deutlich auf die maurische Vergangenheit hin. Eine kleine Fußgängerzone zieht sich quer durch den Ort. Die schöne lange Strandpromenade ergänzt das sympathische Bild dieses andalusischen Ortes. Einen Leuchtturm gibts am Ende der Mole auch noch. Es ist einfach schön, im Winter draußen am Strand in der Sonne sitzend, zu frühstücken. Wir genießen mehrere „Gänge“.

Nachmittags relaxe ich auf unserer Campingcouch direkt an den Wellen des Atlantik.

Wer nicht im Sand laufen will, der kann auch auf einem langen Holzbohlenweg durch einen Naturpark wandern. Der Parque La Almadraba verläuft parallel zum Strand bis in die Stadt. Echt schön hier. Der Parkplatz am Strand von Rota ist fest in meiner „Wiederkommliste“ notiert.

Da eine große Militärbasis die Weiterfahrt entlang der Küste unterbindet, müssen wir, um an unser nächstes Ziel „El Puerto de Santa Maria“ zu kommen, zunächst ein Stück landeinwärts fahren. Da macht aber nichts, die Strecke ist nicht lang. Nach 20 km haben wir den vorgesehen Parkplatz in der Stadt am Fluß Guadalate erreicht.

Die schöne alte Stadt gefällt uns sofort. Man spürt heute noch den Mythos ihrer rühmlichen Vergangenheit. Sie galt als einer der wichtigsten Häfen für die Verbindung in die >Neue Welt<. Auch Christoph Kolumbus startete von hier. Später verschob sich die Bedeutung hin zum Handelshafen, aus dem vor allem Sherry auf die Reise nach Großbritannien und Resteuropa ging. Neben Jerez ist El Puerto de Santa Maria die zweite Hochburg der Produktion und Lagerung. Unser Weg durch die Stadt führt uns auch zu der sehr bekannten Bodega Osborne. Ihr Markenzeichen, die Silhouette eines Stieres, ist weltbekannt und zu einem Symbol für ganz Andalusien geworden. Mittlerweile stehen sie ohne Schriftzug, aber weithin sichtbar, im ganzen Land an markanten Stellen. Bei der Einfahrt in die Stadt sind wir schon an den riesigen Lagerhallen der Firma Osborne vorbeigefahren.

Führungen gibt es zu Corona-Zeiten bei Osborne leider nicht! Wir haben Glück und geraten an einen deutsch sprechenden Shop-Manager, der sich viel Zeit lässt! Obwohl eigentlich schon die übliche mittägliche „Siesta“ begonnen hat, erläutert er uns seine ganzen „Schätze“. Die herkömmlichen Brandysorten, Veterano, 103 und Carlos I, hatte ich in meinen Sturm-und Drangzeiten ausgiebig genossen. Senõr Lucas empfiehlt mir einen >Carlos I Gran Reserva<. Er wird lange Jahre in alten Sherry Fässern gelagert. Er nimmt dem Brandy die Schärfe, der Geschmack wird milder und intensiver. In der Bodega-eigenen Kneipe kann ich diese interessante Empfehlung probieren, bevor mir Dieter einen Geburtstagswunsch erfüllt und ich eine Flasche mein eigen nennen darf! „Gran Reserva“, das passt zu mir, sage ich zu Dieter. „Ich hab ja morgen ein historisches Geburtstagsdatum“. ;-))

In dem Zusammenhang kommen wir auch auf den Manzanillo Sherry zu sprechen. Die Bodega Osborne verkauft diese Sherry-Sorte auch, was mich verwundert, haben wir doch gelernt, dass dieser besondere, mit einer Salznote behaftete Sherry nur in Sanlucar de Barrameda hergestellt und vertrieben werden darf. Osborne hat Weingärten in Sanlucar und lagert die Fässer nach der Füllung über mehrere Jahre in den Kellern, nah am Atlantik vor Ort. Danach sind die vorgeschriebenen Kriterien erfüllt. Wir kaufen ein. Eiskalt getrunken ist dieser Sherry mit dem leichten Salzgeschmack, ein hervorragender Aperitif.

Auf dem Rückweg zum Wohnmobil bewundern wir die alte Kathedrale. Das Besondere daran ist, dass unzählige Störche auf den Zinnen in luftiger Höhe eine Heimat gefunden haben. Man hört ihr Klappern in den engen Gassen widerhallen.

Erfüllt von alter Kultur und ein wenig betrunken (nur ich) von den neuen flüssigen Schätzen, fahren wir südlich des Zentrums in den Vorort Valdegrana. Hier, ganz am Ende der langen Promenade, kurz vor dem Naturschutzgebiet, übernachten wir am breiten Stadtstrand mit Blick auf die futuristische Brücke, die nach Cadíz führt.

Ich bin glücklich, dass wir diesen Platz gefunden zu haben, bietet er doch den richtigen Rahmen um einen schönen Geburtstag zu erleben! Ich liebe ja diese langen Sandstrände und kann nicht genug davon bekommen. Mein Lieblingsmensch hat zum Geburtstag die Sonne bestellt. Ein leckeres Frühstück am Strand und eine kalte Flasche Cava lassen mich den Tag genießen. Dazu haben mir unzählige Menschen auf allen Social-Media Kanälen und durch persönliche Anrufe gratuliert. Das war toll!

Wir lassen den Tag im nahegelegenen Cadíz ausklingen. Die alte spanische Hafenstadt liegt auf einer Landzunge und ist fast allseitig vom Meer umschlossen. Sie beherbergt eine imposante Kathedrale und die Plaza Espana wird von einem massiven Denkmal in Erinnerung an die verfassungsgebende Versammlung von 1812 beherrscht. Es wurden unter anderem die Meinungsfreiheit und die Gewaltenteilung verankert. Diese Dokumente bildeten den Grundstein für ein modernes, freies Europa, so wie wir es heute kennen! Wir sind ehrfürchtig etwas länger an diesem historischen Ort geblieben.

Die mehr als 100 Wachtürme, darunter der berühmte Torre Tavira, dienten traditionell dazu nach Schiffen Ausschau zu halten. Vom Torre Tavira hat man außerdem einen grandiosen Ausblick über die Stadt. Ich hatte mich gefreut, dort mit Dieter noch einen Absacker zu nehmen und den Sonnenuntergang zu genießen. Daraus wurde nichts. Der Turm wird renoviert! Also gut! Nochmal wiederkommen. Ich verstehe schon. Mehrmals kann man diese alte Stadt noch besuchen. Sie hat ihren ganz eigenen Charme. In Corona-Zeiten wollten wir auch nur gezielt auf den Turm und in die alte Markthalle, die einige Spezialitäten bereithält. Dort war, kurz vor Toresschluss nicht mehr viel los. Wir können in Ruhe Sherry und unser hier bevorzugtes Bier „Estrella Galicia“ trinken. Dazu wird gesalzener Fisch serviert.

Wunderbar. Den Tipp hatten wir von unserem weitgereisten Freund Werner aus dem Saarland erhalten. Wir übernachten mitten im Hafengelände. Hier bezahlt man beim Hafenmeister einen eigenen Wohnmobiltarif von 3,10 Euro. Die Anfahrt ist ein wenig abenteuerlich, die Atmosphäre im Hafen ist auch besonders. Das heißt, je nach Verkehrsplan der Schiffe, ist das Be-und Entladen der Container fast die ganze Nacht, gut zu hören -:))

Jetzt brauchen wir erstmal Erholung vom Geburtstag feiern und Großstadtrummel. Am südlichen Ende von Cadíz erstrecken sich die weißen Sandstrände, einer schöner wie der andere. Wir fahren in das idyllische Sancti Petri mit seinem gemütlichen Hafen. Der Ort liegt in der Nähe von Chiclana de la Frontera. Hier in der Gegend kann man im Winter überall stehen und übernachten. Wir suchen uns wieder einen Strandparkplatz und zwar an der schönen Playa de la Barrosa.

Lange Strandspaziergänge, ans Herz gehende Sonnenuntergänge und die Idylle der südlichen Costa de la Luz machen uns den Abschied schwer. Der Atlantik bringt wieder kühlere Luft, wir erfahren von steigenden Coronazahlen und Einreisesperren in Tarifa, Algeciras und La Línea de la Concepción. Wir entscheiden, die südliche „Spitze“ Andalusiens auszulassen und wieder oberhalb von Malaga ans Mittelmeer zu wechseln.

Dazu dann mehr im nächsten Bericht!

4 Kommentare bei „Sunshine-Tour im Winter: Die Westküste Andalusiens; Teil II“

  1. Hallo
    was habt ihr es doch schön
    so dürft ihr gerne weiter machen…
    Wir sind problemlos, na ja bis auf das traurige Gemüt, im grauen Germany
    angekommen.
    Passt schön auf euch auf, die Zahlen steigen ja doch etwas in Spanien.
    In diesem Sinne take care und genießt das Leben
    Fühlt euch aus der Ferne gedrückt
    Martina und Roland

  2. Martina und Roland sagt: Antworten

    Hallo,
    was geht es euch gut
    genau so dürft ihr weiter machen…
    Wir sind problemlos, wenn man vom traurigen Gemüt absieht, im grauen
    Deutschland angekommen.
    Umso aufbauender eure Sunshine Berichte. Danke.
    Gebt schön auf euch acht, da die Zahlen doch etwas steigen, damit wir im Herbst
    zusammen im Mittelmeer schwimmen können
    Liebe Grüße
    Martina und Roland

    1. Hallo Ihr Beiden,
      danke für die Zeilen! Gut, dass Ihr gesund zuhause angekommen seid. Wir geben uns Mühe und passen auf uns auf. Wir hoffen, dass die Spanier aber auch die Deutschen das Virus endlich in den Griff kriegen. Dass wir zusammen im Mittelmeer schwimmen gehen, ist ein sehr gutes Ziel! Bis bald und bleibt auch ihr gesund! Liebe grüße von Renate und Dieter

  3. Hallo Renate und Dieter, ich habe mich gekringelt vor Lachen, als ich euer Erlebnis in Rota gelesen habe. So eine ähnliche Situation haben wir einmal in Frankreich erlebt. Bringt die Beziehung kurz in Wallung. Wir freuen uns auf weitere Berichte. Liebe Grüße aus dem schneereichen Deutschland. Corina und Ralf

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