Sunshine-Tour im Winter: Die Felsenalgarve

Das mich einmal das Geklappere von Storchenschnäbel aufwecken sollte, hätte ich nicht erwartet. Umso schöner war es. So geschehen in der alten maurischen Stadt Silves. Dazu später mehr.

In der vergangenen Woche tauchen wir intensiv in das Gebiet der „Felsenalgarve“ ein. Der Begriff >Felsenalgarve< (Barlavento, dem Wind zugewandt) bezeichnet den westlichen Teil der südlichen Algarveküste. Er reicht von Sagres bis Albufeira bzw. Vilamura. Danach beginnt in Richtung Osten, die Sandalgarve ( Sotavento, dem Wind abgewandt). Dort geht dann die Steilküste und die felsigen Strände in flache, helle Sandstrände und Sandbänke über.

Wir tummeln uns einige Tage zwischen den Ortschaften Alvor und Armaçao de Pera. Dort gibt es spannende Wanderwege über den Klippen der Felsenalgarve zu entdecken. Am Kreisverkehr in Porches führt die M530-1 rechts ab in Richtung Felsenkapelle Nossa Senhora da Rocha, einem Algarve-Highlight. Der in den einschlägigen Reiseführern ausgewiesene Tagesparkplatz ist mittlerweile für Wohnmobile gesperrt, wie so viele andere auch. Wir finden jetzt im Dezember in den Seitenstraßen überall einen Parkplatz. Die Feriensiedlungen sind im Winter meist unbewohnt.

Die malerische Wallfahrtskirche „Unsere Frau des Felsens“ trotz auf einem 35 m hohen, schmalen und ins Meer ragenden Felsvorsprung Wind und Wetter. Der Vorplatz der Kapelle ist gleichzeitig ein schöner Aussichtspunkt mit Blick auf die bis zu 50 m hohen Steilklippen der Küstenlandschaft. Hier steht man gefühlt mitten im Meer. Bedingt durch die starke Erosion am Felsen gilt die Kapelle schon seit einiger Zeit absturzgefährdet und muss immer wieder befestigt werden. Unterhalb liegen rechts und links vom Felsvorsprung die beiden malerischen Badebuchten Senhora da Rocha und Praia Nova.

Überhaupt reihen sich Dutzende kleine Badebuchten in beide Richtungen aneinander, die meisten eingebettet zwischen Hotels und Ferienanlagen. Wir machen uns an diesem Tag auf den Wanderweg Richtung Süden nach Carvoeiro und zur berühmten Bucht der Praia da Marinha.

Hoch über die Klippen zu laufen, die salzige Luft einzuatmen, das brodelnde Meer zu hören und zu sehen und dem Wechselspiel der Farben des Wassers zuzusehen ist unbeschreiblich. Mal wechselt die Farbe je nach Wolkenspiel von dunklem Blau zu türkis- und smaragdfarben. Rechts und links der steinigen Pfade wachsen kleine Blumen, die wir nur vom Sommer her kennen. Der Weg ist ambitioniert, führt er doch hin- und wieder runter ins Tal und gleich darauf wieder hoch. Und überall diese Ausblicke und kleine versteckte Buchten. Mir wird manchmal schwindelig vor lauter Eindrücken.

Nach ca. 5 km ist die schöne Bucht Praia da Marinha erreicht. Sie gilt als eine der 100 schönsten Badestrände der Welt. 81 Stufen führen hinunter in den goldfarbenen Sand. Wir ruhen uns aus, lassen uns von den Wellen des Atlantik einlullen und mit geschlossenen Augen davontragen in eine andere Welt. Hier sammeln wir Kraft, schließlich muss der Rückweg noch bewältigt werden. Meinem Fahrer, der wahrscheinlich als Bergsteiger schon zur Welt kam, macht das Ganze nichts aus. Mein Knie und ich humpeln am Ende doch etwas hinterher. Ich bin froh, die weiße Kirchturmspitze der kleinen Wallfahrtskirche im Dunst des Nachmittags aufleuchten zu sehen. Ein geiler Tag geht zu Ende.

Wir wollen in Portimão übernachten, dort kennen wir einen Platz, zwischen Hochhäusern zwar, aber nahe am Strand. Wir kommen dorthin, –wieder Verbotsschilder für Wohnmobile. Es wird langsam dunkel, was tun?! Wir sehen in der Nähe des Parkplatzes Wohnmobile stehen, also nichts wie hin. Es gibt noch Platz dort, ein freundlicher Portugiese erklärt uns, dass er „gestrandeten“ Wohnmobilsten, denen es so geht wie uns, auf seinem eigenen Grundstück einen Platz gewährt. Er hat selber ein Wohnmobil und versteht diese rigide Politik der Regierung nicht so ganz. „Wenn sie doch einen Unterschied zwischen Sommer und Winter machen würden“, sagt er. Dem können wir nur beipflichten. Überall gähnende Leere auf den großen Parkflächen zwischen den Ferienanlagen. Er weist uns noch entschuldigend darauf hin, dass hinter uns ein Gym sei, welches die ganze Nacht aufhat und macht dabei tanzende Bewegungen. Es könnte ein wenig laut werden. Wir sind willkommen, können bleiben solange wir wollen, sollen aber jetzt nicht noch unsere Freunde anrufen.-))

So stehen wir hier, ganz unverhofft zwischen Schweden, Finnen und Engländern und freuen uns über die Freundlichkeit der Portugiesen. Während wir unser Ankommbier trinken, beginnt der nächste Spinning-Kurs im Fitnessstudio. Wir cyceln ne Runde mit, trinken noch ein Bier und schlafen wunderbar inmitten der Hochhäuser von Portimão.

Am nächsten Tag wartet wieder ein wunderbarer Klippenwalk auf uns. Am Strand von Portimão kann man bei Ebbe zwischen den abgebrochenen Felsenstücken der Sandsteinküste hindurch und drumherum laufen. Es hat in der Nacht geregnet, auch der Tag beginnt bedeckt. Dann sind die Farben der Felsen blasser und wirken wie verwischt. Sobald ein Sonnenstrahl aufblitzt, ist die rote Farbe sofort wieder da. Faszinierend!

Wir bewundern den Regenbogen und tauchen wieder ein in die bizarre Welt der Felsenküste.

Danach geht es weiter nach Alvor. Hier wollen wir am Praia Três Irmãos relaxen und auch übernachten. Das Relaxen ist erlaubt, das Übernachten nicht mehr. -(( Wieder gähnende Leere auf den im Winter verwaisten weitläufigen Parkflächen. Wir machen eine ausgiebige Strandwanderung und erleben hier die goldfarbenen, spitzen Felsen und zerklüfteten Gesteinsformationen. Sie wurden und werden durch unerbittliche Winterstürme geformt. Hier an dem Küstenabschnitt findet man Felsenbögen im Meer, versteckte Grotten und instabile Steinsäulen, die vom türkisfarbenen Meereswasser umspült werden. Mir ist ein wenig unheimlich als wir da so durch die Felsbögen laufen. Das Wasser gurgelt in den Löchern, die Gischt spritzt und manchmal wirft eine Wolke dunkle Schatten. Ich fühle mich ein wenig wie in „Mittelerde“. Heute macht die Sonne mal wieder eine Pause, es ist bedeckt aber milde 18° warm.

Wir übernachten in Silves, einer spannenden alten Stadt, die wir schon kennen. Den Wohnmobilstellplatz >Algarve Motorhome Park< (www.algarvemotorhomepark.com) kennen wir noch nicht. Wir sind angenehm überrascht. Hier sind auch viele Plätze noch frei. Eine sympathische Landsmännin erzählt mir, dass normalerweise ab Mitte November alles voll ist. Wir parken unser Womo neben einem Apfelsinenbäumchen und freuen uns über die vielen Störche, die in den nahen Feuchtgebieten leben, überall ihre Nester haben und noch bauen und um die Wette klappern. Hier wollen wir mal wieder hinkommen. Die alte Stadt ist unbedingt einen Besuch wert.

Vor uns liegt noch ein weiterer ereignisreicher Tag an der Felsenküste. Von den dunklen Wolken am Morgen lassen wir uns nicht abhalten. An der Küste ändert sich das Wetter schnell. Wir wollen einen der schönsten Küstenwanderwege der Algarve laufen. Die >Rota dos 7 Vales Suspensos< verläuft auf Naturpfaden über 6,5 Kilometer zwischen der Praia Vale de Centeanes ( 2 km östlich vom Dorf Carvoeiro) und der Praia da Marinha. Der Weg führt also über sieben „hängende Täler“, die so genannt werden, weil die vor Millionen von Jahren geformte Kalksteinküste an sieben Stellen durch tiefe Einschnitte unterbrochen wird. Zur Stärkung kaufe ich an einem der zahlreichen Obststände, pflückfrische Orangen und Mandarinen. So lecker, ich könnte darin baden!

Die sauerstoffreiche Meeresbrise macht diese Wanderung in Kombination mit Sonne, duftenden Büschen und immer wieder traumhaften kleinen Buchten mit zahlreichen Aussichtspunkten kurzweilig und interessant. Meine Bronchien jubeln ob soviel frischer Luft. An den Abgängen zu den Stränden sind ja überall Ampeln angebracht, die während der Pandemie dafür sorgen, dass am Strand der Abstand eingehalten wird. Jetzt stehen alle auf grün und das Zählwerk auf Null, weil kaum jemand da ist! An manchen Stellen ist der Auf- und Abstieg des Wanderweges über ausgewaschene Abhänge etwas schwierig. Ich habe einen liebevollen Wanderführer dabei, der mir über diese Hindernisse hinweghilft.:-))

Eine nette Engländerin, die auf eine der Klippen wohnt, weist uns unterwegs auf einen ganz versteckten Zugang zu einer kleinen Bucht hin. Durch einen kleinen engen Tunnel, geht es auf ausgewaschenen etwas rutschigen Stufen hinunter an den Strand. Mega!

Mir fehlen ab und zu die Worte um alles zu beschreiben. Diese Küste ist einfach ein gigantisches Naturwunder, an dem der Zahn der Zeit nagt. Die Kehrseite der Medaille ist die gnadenlose touristische Vermarktung der Algarve. Im Winter aber ist alles friedlich hier. Auch wenn das Wetter manchmal unbeständig ist, Portugal ist in unserem Herzen, deshalb sind wir hier. Nach 14,5 aufregenden Kilometern bin ich fix und fertig. Mein Knie himmelt, mein Körper ist vollgepackt mit Sauerstoff und mein Kopf explodiert vor lauter Schön!

Wir übernachten ein letztes Mal am Strand, dieses Mal wieder in Armaçao de Pera. Hier lassen sie die Wohnmobile für kleines Geld auf einem ehemaligen Sportplatz stehen. Wunderbar, so frei fast am Strand sein zu können. Uns gefällt diese Stadt trotz der vielen Hochhäuser. Sie hat eine lange Strandpromenade und einen kleinen sympathischen Innenstadtkern. In das Strandlokal vor unserem Wohnmobil werden wir auf einer späteren Tour mal auf einen Sundowner einkehren.

Zurückgekehrt in die Gegend der Korkeichen auf unsere Home-Base, freuen wir uns über die friedliche Ruhe hier auf dem Land. Später werden wir die dritte Kerze an unserem Adventkranz, den wir aus Materialien aus der Gegend gebastelt haben, anzünden und das Glas auf die Gesundheit erheben.

Wir wünschen Euch allen einen schönen und gesunden 3. Advent!

Besorgt schauen wir Richtung Deutschland, die Entwicklung können wir kaum glauben! Wir ihr sicher schon gemerkt habt, haben wir unser Reiseverhalten den Gegebenheiten anpasst. Wir bleiben länger an einem Standort und halten natürlich, auch mit Rücksicht auf die Einheimischen, die jeweiligen Regelungen ein. Es ist für uns kein Problem die Reiseeinschränkungen der Landkreise und Provinzen zu beachten, die besonders an den hiesigen Feiertagen z.B. vom 27.11.-02.12. und vom 04.12.-09.12. galten!

Gut für uns ist die Regelung, dass Masken im Freien erst bei Begegnungen von <2m getragen werden müssen. So können wir unsere Wanderungen unbeschwert durchführen, da sehr sehr wenige Leute unterwegs sind! Das ist in Spanien leider anders! Dort muss die Maske so gut wie immer getragen werden, also auch im Freien!

Gegebenenfalls werden wir zum Jahreswechsel wieder nach Spanien gehen, da dort das Wetter stabiler zu sein scheint.

Alles in allem sind hier die Maßnahmen wohl erfolgreich, die Werte gehen kontinuierlch zurück und wir hoffen, dass durch die hiesigen moderaten Weihnachstregelungen nicht wieder ein „Rückfall“ zu verzeichnen ist!

Unseren ursprünglichen Plan auf die Kanarischen Inseln zu wechseln haben wir aus verschiedenen Gründen für dieses Jahr aufgegeben:

PCR-Test u. 30-stündige Überfahrt mit vielen Menschen auf der klimatisierten Fähre!

Unklare Flüchtlingssituation vor Ort, wegen der doch eingeschränkten Infrastruktur würden wir viel „Freistehen“ müssen, unklar ob das zur Zeit möglich ist!

Die hohen Kosten für die Überfahrt haben uns außerdem bewogen, für das nächste Mal dann einen längeren Zeitraum zu planen. Um auch alle Inseln zu erreichen!

Ja und außerdem ist dieses Mal das „Bauchgefühl“ dagegen und darauf haben wir bei unseren bisherigen Reisen immer gehört!

3 Kommentare bei „Sunshine-Tour im Winter: Die Felsenalgarve“

  1. Martina und Roland sagt: Antworten

    Beeindruckend, mehr fällt mir zu diesen Bildern nicht ein
    Herzliche Grüße aus Malaga Beach, Cala del Moral
    Martina und Roland

  2. Os Smartys desejam a voce um Feliz Natal

    1. Obrigada da mesma forma! Fique saudável!
      Saudações calorosas do sol :-))

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