„Roadtrip“ durch das südliche Afrika: Unser Fazit!

Erstmals mit einem Mietmobil und einer geführten Gruppe eine Reise zu machen, hat bei mir schon für Herzklopfen gesorgt. War es doch für mich bisher unvorstellbar mit einem gemieteten Wohnmobil zu reisen! Nachdem wir von „Seabridge“ ein Angebot für diese Reise erhalten haben, weil vorher drei Touren mit eigenem Wohnmobil in Afrika und der Mongolei aus bekannten Gründen abgesagt werden mussten, war guter Rat teuer und wir haben dann doch spontan zugesagt!

Vorweg, es sollte eine der eindrucksvollsten Reisen werden, die wir bisher gemacht haben!

Nicht nur die perfekte Organisation für insgesamt 61 Tage und etwa 11.000 km hat den üblichen “Planungsstress“ reduziert. Auch mit Kathi & York Müller einem unglaublich engagierten und emphatischem Paar als Reiseleitung, sowie einer Gruppe mit vielen reiseerfahrenen freundlichen Menschen, haben wesentlich zu unserem Wohlbefinden und Glücksmomenten auf dieser Reise beigetragen!

Ich will gar nicht auf die vielen Highlights eingehen, das hat Renate in Ihren Reiseberichten bereits getan. Mir bleibt besonders in Erinnerung die Begegnung mit den Ureinwohnern, den Nachwirkungen der Apartheid, der Auseinandersetzung mit der „deutschen Kolonialzeit“ und natürlich den unglaublichen Landschaften und der Nähe zu den Tieren in den riesigen Nationalparks! Hervorzuheben ist der Krüger Nationalpark.

Klar, das Fahrzeug hat so seine Tücken und Herausforderungen gehabt, allerdings brachte uns der Iveco mit seinem rustikalen Aufbau immer sicher durch diese Reise! Immerhin waren bei der Übernahme schon 75.000 km Piste auf der Uhr. Der Luxus, quasi mit eigenem Servicefahrzeug mit einem freundlichen engagierten Monteur zu reisen, hat natürlich auch für entsprechende Entspannung gesorgt! Soviel ich weiß, wäre bei einer privaten Anmietung kaum eine der schwierigen Strecken genehmigt gewesen. Da die Agentur den eigenen Service zusätzlich bezahlt hat, gab es wohl entsprechende Sondergenehmigungen!

Bei unserem Fahrzeug war einiges zu tun: Reifenwechsel, Erneuerung einer Dachluke, Reparatur der Eingangstür am Aufbau, Überholung der gesamten Elektrik wegen ständigem Kurzschluss in den ersten 10 Tagen, Austausch des Wassertanks usw. Damit waren wir aber nicht alleine, die neueren Fahrzeuge hatten ebenfalls ähnliche Tücken! Hochfliegende Reifenteile oder Holzstücke von der Fahrbahn, denen man nicht ausweichen konnte, sowie Aufsetzer im Gelände sorgten bei den meisten Fahrzeugen für Schäden an der Kunstoff-Heckschürze. Diese wurde aber „afrikanisch“ mit Dichtmasse und genieteten Metallverstärkungen überraschend gut repariert!

Also der Service und die Ersatzteilbeschaffung haben sich sehr bewährt, selbst Ersatzfahrzeuge wurden in dem einen oder anderen Fall bereitgestellt!

Unsere Reiseleitung hat auch schwierigste Situationen gut gemanagt. Genannt sei nur die Suche nach einem gestrandeten Fahrzeug samt Besatzung, hunderte Kilometer Suchfahrt mit anschließendem Abschleppen, kurzfristige Unterbringung der Besatzung in einer Lodge, Beschaffung des Ersatzfahrzeuges. Oder die Sorge/Suche nach einer ansonsten taffen Einzelfahrerin, die wegen Navigationsproblemen mal eben ca. 800 km Umweg bei einer Einzeletappe gefahren war und erst in der Dunkelheit zu aller Erleichterung wieder auftauchte!

Für mich als Fahrer waren die sogenannten „Pads“ also Schotter- bzw. Lehmpisten schon eine Herausforderung! Hieß es doch zunächst offiziell Schritt fahren (wären wir wohl nie angekommen) gab es dann doch diverse Insider-Tipps, das Fahrzeug über die Bodenwellen quasi fliegen zu lassen (mit der entsprechenden Staubfahne dahinter), um mit 60-90 km/h das Zähneklappern und Rütteln im Aufbau zu reduzieren! Das war natürlich mit erheblicher Konzentration verbunden, da überall „Potholes“, manchmal Kinderbadewannen große Schlaglöcher oder Engstellen, Kurven und Trockenfluss Durchfahrten lauerten. Oft waren entgegenkommende Fahrzeuge schon kilometerweit an ihrer Staubfahne zu erkennen, so dass man links ran und langsam fahrend, der dauernden Steinschlag Gefahr entgehen konnte!

Also das hatten wir/ich im Griff! 

Unvorstellbar in Europa stundenlang bis zum Horizont zu fahren, kaum Verkehr oder Gebäude. Einzige Begleiter die ständigen Wildzäune der riesigen Farmen in Namibia und deren Gebäude, die ab und an auftauchten, ansonsten das Gefühl nur Natur und Freiheit um Dich herum!

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob man diese Reise mit einem eigenen Wohnmobil empfehlen kann. Wenn, dann muss das Gefährt schon besonders für solche Strecken gerüstet werden. Nicht umsonst sind wir meistens Geländewagen mit Dachzelten begegnet und ganz wenigen Wohnmobilen europäischer Machart! Auf den Überlandstraßen kaum privater Verkehr, nur Trucks und ein paar Touristen mit Pickups oder Expeditionsmobilen!

Bei allen täglichen Highlights kam bei mir immer wieder Demut auf, die Lebensbedingungen der Menschen zu sehen, im Vergleich zu unserem Luxus und rundum versorgt sein!

Deswegen gab es auch keine Bilder von uns aus den Townships und einfachen Krals.

Es erschien mir einfach nicht passend, die unvorstellbare Armut mit der Kamera festzuhalten.

Die Freundlichkeit der Einheimischen war sehr bemerkenswert. Alle Dienstleistungen werden in der Regel von schwarzen Menschen ausgeführt, nichts durfte, konnte man selber machen. Besonders das Tanken (mussten wir ja ziemlich oft) war ein Service-Highlight. Du darfst nicht aussteigen. 1-3 Menschen winken Dich zur Zapfsäule. Einer tankt, (weil wir Probleme mit der Tankentlüftung hatten, kam immer die Ansage von Renate: „Full to the first stop, Creditcard possible“?) Die Anderen putzen die Scheiben, die Kreditkarten-Maschine wird geholt und in das Auto gereicht. Trinkgeld und fertig! Und das alles mit strahlendem Lächeln! Der Dieselpreis lag durchschnittlich bei ca. 1.40 Euro.

Kleine Kuscheltiere, Spielzeugautos, Buntstifte, Obst, Süßigkeiten, Trinkwasser, Cola und Kleidung, Schuhe, alles war am Straßenrand und in den Dörfern heiß begehrt!

Ab und zu haben wir allerdings auch die Faust in der Tasche machen müssen, wenn wir das Verhalten und die Äußerungen mancher weißen Menschen erleben mussten. Die Apartheid abschaffen ist das Eine, sie zu leben das Andere! 4 Millionen Weiße als quasi Oberschicht und 41 Millionen Schwarze häufig an der Armutsgrenze! -☹

Die Auswirkungen und Überreste deutscher Kolonialpolitik ist ein weiteres für uns bisher unbekanntes Thema und wurde mehr in den Vordergrund gerückt! Überall, weitgehend in Namibia, Überreste deutscher Infrastruktur, Bauten und natürlich Nachfahren der sogenannten „Schutztruppe“! Unglaublich, wie die Bevölkerung damit umgeht, Denkmäler und Bauten erhält, obwohl es manche Gräueltaten z.B. an dem Volk der „Hereos“  gegeben hat!

Aber natürlich waren Landschaften und die Nähe zur Tierwelt, besonders in den Nationalparks super eindrucksvoll und kaum zu beschreiben! Gut das es weitsichtige Menschen und Politiker gab und gibt, die solche Parks geschaffen haben, ansonsten wäre das wohl alles bereits der Zivilisation zum Opfer gefallen. Auch wenn wir ohne Ende über manche Wegstrecken geflucht haben, hoffen wir, dass die Straßen in den nächsten Jahren nicht zu gut ausgebaut werden. Man kann sich vorstellen welcher Massentourismus dann einsetzt!

Problemlos ist auch die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser. In und an den großen Städten finden sich meist Shopping Malls europäischer Größenordnung! SIM-Karten und Bargeldbeschaffung in Landeswährung, funktionierende Kreditkarten haben wir mit ein bisschen Übung gut in den Griff bekommen! Durch die empfehlenswerte, kostenlos im Appstore herunterzuladende App „Currency“ als Währungsrechner konnte sofort die Umrechnung erfolgen. Die Lebensmittelpreise waren im Vergleich für uns sehr günstig. Ein Kilo bestes Rinderfilet kostete umgerechnet 8-10 Euro. Die Einheimischen aber hatten mit den für sie rasant gestiegenen Preisen zu kämpfen.

Die öfter etwas umständlichen Zollformalitäten wurden mit Hilfe unserer Reiseleiter gut bewältigt. Nach anfänglichem Herzklopfen, haben sie bei mir schon mal etwas Schmunzeln erzeugt, da sich Sinn und Zweck nicht immer erschloss und eher auch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen glichen!

Das abendliche Fluchen über irgendwelche Mängel am Wohnmobil, das ständige Staub wischen, obwohl alle Öffnungen am Wohnmobil- Aufbau abgeklebt waren, sowie „mit den Hühner leben“, (abends früh ins Bett und morgens um 5-6 Uhr raus), wurde schnell zur Gewohnheit und Ritual! Auch die Verwunderung, dass alle Wasserabflüsse am Fahrzeug (Spüle/Dusche) im Freien landen, Mikrowelle, Toaster u. Wasserkocher und auch die Klimaanlage wegen der schwierigen Stromversorgung meist nicht zu nutzen waren, wich einem gewissen Gleichmut. „Ist halt afrikanisch“, war dann meist der Spruch!

Ein Wort noch zu den Campingplätzen im südlichen Afrika. Alle Stellplätze waren mit Grill-und Feuerstellen ausgestattet. Die Sanitäranlagen, „afrikanisch“ aber immer sauber und benutzbar. Oft gab es interessante Restaurants auf dem Platz. Immer war ein Swimmingpool vorhanden. Eine herrliche Erfrischung nach langer Fahrt in staubiger Hitze. Die Camps waren meist großzügig angelegt, in wunderbaren Gegenden mitten in der Natur. An die Elektro-Zäune und Nachts geschlossenen Tore zum Schutz vor den Wildtieren in den Nationalparks hat man sich schnell gewöhnt!

Allerdings haben die hohen Mauern u. Elektrozäune an den festen Gebäuden in den Ortschaften, die privaten Sicherheitsdienste, sowie die Hinweise bei Dunkelheit nicht alleine unterwegs zu sein, schon ein komisches Gefühl erzeugt! Wir haben aber auf der ganzen Reise keine Berührung mit irgendwelcher Kriminalität gehabt!

Das wir gut zwei Monate mit 3 kg Gas ausgekommen sind (größer war die Gasflasche nicht) verwundert mich noch heute! Allerdings ist auch keine Heizung im Fahrzeug, war bei der stabilen Wetterlage auch nicht nötig. Die Temperatur schwankte je nach Gegend zwischen 25° und 35° Grad. An den Küsten war es entsprechend kühler. Überhaupt sind die Wetterphänomene, z.B. wenn die sich die Wolken, wie ein Tischtuch über den Tafelberg legen oder die warme Luft der Namib-Wüste auf den Atlantik trifft und allmorgendlich dichtesten feuchten Nebel erzeugt, unbeschreiblich! Ganz zu Schweigen von den Sonnenauf- und Untergängen vor der Silhuette der Jahrhunderte alten Affenbrot- oder Köcherbäume.

Also, wie schon Eingangs geschrieben: Es war eine tolle Reise in eine für uns bis dahin völlig unbekannte Welt!

Gerne wären wir an vielen Stellen länger geblieben und hätten uns noch intensiver mit den Gegebenheiten befasst. Dazu muss man dann aber wirklich quasi „privat“ Reisen, denn dann wird die Reise schnell 2-3 oder mehr Monate länger! Alleine Reisen durch das südliche Afrika ist kein Problem. Es gibt genügend Informationen im Internet und auf der Seite des auswärtigen Amtes auch Hinweise welche Gegenden man gegebenenfalls meiden sollte. Mit der App iOverlander findest du alle Plätze. Vielleicht kommen wir sogar wieder hierher.

Der spektakuläre Blyde-River Canyon, die tierreichen Krüger– und Etoshapark, die eindrucksvollen Victoria-Falls, die gigantische Namib-Wüste, der beeindruckende FishRiver Canyon, das fulminante Kapstadt, das grandiose Kap der Guten Hoffnung, die spannende Weingegend um Stellenbosch, der imposante Tsitsikamma Nationalpark, um nur einige Reisehöhepunkte hervorzuheben, sind immer wieder einen Besuch wert!

Bei einem Mietmobil ist es empfehlenswert, ein gutes Navigationsgerät mit Funk eine Rückfahrkamera, scharfe Messer, ein beschichtete Pfanne und Küchenhandtücher mitzubringen! Wir haben vor Ort noch Gläser, Porzellanteller, Spannbettücher, Reinigungsmittel, Aufnehmer, Fußmatten etc. gekauft! Das ist aber den individuellen Bedürfnissen geschuldet!

Jetzt muss ich gerade in unserem Wohnmobil wieder neu lernen, wofür denn die ganzen Knöpfe und der elektronische „Schnickschnack“ denn so ist! 

Hat ja super auch ohne funktioniert, halt afrikanisch!

Das Jahr 2023 ist zwar noch jung, unsere Reisepläne werden aber schon konkreter.

Zunächst wollen wir doch nochmal in die südliche Sonne fahren. Ist einfach zu kalt in Deutschland. Ende Mai soll es dann auf dem Landweg und mit viel Zeit in die Türkei gehen. Von Brühl bis an den Bosporus sozusagen und vielleicht darüber hinaus auf die arabische Halbinsel. Das hängt aber noch von einigen Unwägbarkeiten ab, wie z.B. einem „Carnet de Passage“ durch den Iran.

5 Kommentare bei „„Roadtrip“ durch das südliche Afrika: Unser Fazit!“

  1. Lieber Dieter,
    vielen Dank für das aufschluss- und hilfreiche Fazit, auch zum Thema „geführte Reise im Mietmobil“. Die Reise ins Südliche Afrika steht immerhin ganz oben auf unserer Löffelliste. Habt viel Freude in Anatolien und auf dem Weg dorthin. Die Problematik Iran hält uns leider immer noch von der geführten Seabridge-Variante auf eigener Achse zum Oman ab. Stattdessen werden wir im kommenden Winter den Oman 4 Wochen alleine im gemieteten Jeep mit Dachzelt bereisen – sind wir verrückt?
    Liebe Grüße,
    Toni & Beate

    1. Hallo Toni, schön von Dir zu hören!
      Die Variante mit dem Dachzelt ist bestimmt auch gut! Jedenfalls waren auf den Camps in Afrika diese Fahrzeuge in der Mehrzahl. Oft sogar mit zwei Zelten drauf u. perfekter Küchenausstattung
      Bei den Klimabedingungen auch kein Problem!
      Beste Grüße
      Dieter+Renate

  2. Ihr Lieben, danke, dass ich euch auf eurer Reise begleiten durfte. Ich freue mich schon auf weitere Abenteuer.
    Alles Liebe, bleibt neugierig und schreibt fleißig!
    Patricia

  3. Wunderbar Herr Haase,
    wir lieben, was ihr tut…
    Danke

    1. Dito!
      Alles Liebe und Gute wünschen wir Euch!

Schreibe einen Kommentar