Marokko: Marrakesch und der Hohe Atlas

Wir sind in Marrakesch, der Metropole des Südens, oder in der „roten Stadt“, wie sie noch genannt wird. Die Farbe Rot begleitet uns schon den ganzen Tag. Die Landschaft des Atlasgebirges leuchtet rot in der Morgensonne, als wir unser liebevoll gestaltetes Camp Zebra verlassen und auf der R 304 über Demnate und danach auf der R 210 in Richtung Marrakesch fahren.

Die Menschen gehen allerorts ihrer Arbeit nach, wie bei uns auch. Nur anders. Sie gehen in die Landwirtschaft, öfter mit abenteuerlichen Transportmitteln. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Motorrad weite Strecken von A nach B mit dem Maultier. Kinder sind auf dem Weg zur Schule.

Die schneebedeckten Berge des Hohen Atlas begleiten uns auf über 100 Kilometer! Diese Landschaft mit ihren Farben und die schneebedeckten Berge ist zum Niederknien schön. Mit dem „Frühstücksblick“ auf dem Campingplatz fing dieser phantastische Tag schon gut an. 

Heute fährt die kleine Reisgruppe die Strecke nach Marrakesch, dort wollen wir zusammen auf dem ausgewählten Übernachtungsplatz hinter der Stadtmauer in der Altstadt ankommen. Aufregung ist schon dabei, vor Marrakesch wird in den Reiseführern gewarnt. Viele Taschendiebe seien unterwegs, du wirst von aufdringlichen Händlern ständig angesprochen, Waren zu kaufen. Frauen kommen mit Hennaspritzen, malen schnell ohne das du es willst auf deine Hände und wollen sofort dafür Geld usw.  Wir haben das für uns so eingeordnet, dass man in einer Großstadt immer aufpassen muss, egal wo du auf der Welt bist. Das ist hier in Marokko nicht anders. Wir werden wachsam sein, uns aber die Freude an dem Erlebnis Marrakech nicht verderben lassen.

Auf der Strecke liegt aber noch ein kleines Naturwunder, das wollen wir uns ansehen. Einige Kilometer hinter Demnate ist der Ort Imi-n-Ifri mit der Pont Naturel erreicht.

Der Fluss Oued Lakhdar hat sich unter der Oberfläche und durch den Stein durchgegraben und eine Naturbrücke geschaffen. Auch hier bieten sich zahlreiche lästige Füher an. Ich bleibe beim Wagen, während die drei anderen sich auf die etwas mühselige Klettertour nach unten zum Flußbett machen. Später sagen sie, es war anstrengend, aber sehr beeindruckend. Mit etwas Phantasie sind die Umrisse von Afrika und Südamerika in den Durchblicken zu erkennen.

So jetzt nichts wie los, wir wollen das Abenteuer Marrakesch erleben und fahren gemeinsam Richtung Stadt. Die rote Stadtmauer kommt auf uns zu, der Verkehr wird immer chaotischer, Mopeds von links und rechts, ein Geschrei, kaum zum Aushalten.

Wir fahren gemäß dem Navi auf ein Stadttor zu, das sagt unser „ Dirty Harry“ eh, Leute, aber nicht mit mir, da passen wir nicht durch…..Da stehen nun zwei Wohnmobile und halten den ganzen Verkehr auf.

Das Gehupe wird infernalisch, mein Fahrer immer ruhiger! Irgendwo muss es doch auch für uns einen Eingang geben. Stimmen die Koordinaten, ja, hat sich in den Jahren seit der Reiseführer diesen Parkplatz als Stellplatz beschrieben hat, vielleicht etwas geändert….. solche Überlegunegn stellen wir an. Dieter sagt, wir probieren es woanders, irgendwo wird es in dieser Stadtmauer ein Tor für uns geben. Wir wenden und suchen in dem Chaos einen anderen Weg. Da hält ein Mopedfahrer und spricht uns an, es gibt ein mehrsprachiges „Gespräch“ zwischen Dieter und ihm, wir sollen folgen. Kurze Beratung, wird doch in den einschlägigen Medien gerade vor solchen Leuten gewarnt. Oh je was tun! Wir schalten nun unseren gesunden Menschenverstand ein, atmen tief durch und folgen dem Menschen auf dem Moped, auch im Vertrauen, dass die Tordurchfahrten groß genug sind! :-(( Er bringt uns durch verbotene Zonen, überall stehen die Leute und schauen erstaunt, wir kommen uns vor wie VIP‘s denen eine Eskorte vorwegfährt. :-))

 Zwei Stadttore später und einer mehrere Kilometer dauernden unfreiwilligen Umfahrung, sowie der allgemein ignorierten Durchfahrtsverbotsschilder, erreichen wir ein Tor, durch das die WoMo’s mal geradeso durchpassen und stehen nach dem Innenstadt-Gewusel vor der Schranke „unseres“ bewachten Parkplatzes. Dort leisten wir Abbitte für unsere „schlechten Gedanken“ diesem Moped-Guide gegenüber. Natürlich will er Geld für sein Geleit, bekommt er auch, aber nur die Hälfte der geforderten Summe. So sind wir gleich gut eingestimmt  für die Geschäfte in der Altstadt. Dort gehört Handeln und Feilschen um den besten Preis einfach zum Kauf dazu. Wir stehen auf dem bewachten Parkplatz „ Parking Koutoubia“ im Schatten der berühmten Kutubiya Moschee!

Auch der bekannteste Platz und Mittelpunkt des Lebens in Marrakesch der Djamaa-el-Fna ist fußläufig zu erreichen. Wir sind in guter Gesellschaft, die  Reisegruppe von „Dr. Ammon-Tours“ ist ebenfalls mit vier Fahrzeugen da. Wir fühlen uns hier sicher und starten gleich auf eine erste Runde durch Marrakesch. Bewundern die Moschee von außen und schlendern über den „ Platz der Geköpften“ wie er in der deutschen Übersetzung heißt.

Dieser Platz bietet zweifellos das größte Schauspiel, ist die bedeutendste Attraktion und das historische Zentrum der Stadt. Hier wurden einstmals Verbrecher und Rebellen hingerichtet und ihre Köpfe so lange ausgestellt, bis nur noch die kahlen Schädel übrig blieben. Heute wird der gepflasterte Platz von den Darbietungen der Akrobaten, Tänzer, Schlangenbeschwörer, Märchenerzähler und Musikanten beherrscht. Ein herrliches Durcheinander empfängt uns, wir freuen uns, hier entlang zu schlendern und tauchen auch für einen Rundgang in das Straßengewirr der Medina ein. Nicht ohne vorher von einer der herrlichen Dachterrassen, bei gutem Essen, den Ausblick zu genießen.

Das ist ein anstrengendes Unterfangen, durch die engen Gassen zu laufen, weil auch hier jede Menge Mopeds durchdüsen und ihre Abgase hinterlassen. Die Luft wird immer bleihaltiger und meine Bronchien protestieren. Wir durchstreifen das Berberviertel, mit herrlichen Verkaufsständen, Farben und Gerüchen. Hier fährt kein Motorrad durch.

Interessante Sachen gibt’s hier. Da wollen wir am nächsten Tag nochmal hin. Zurück auf dem Djamaa el-Fna. Die Sonne ist inzwischen untergegangen, das Leben ist in vollem Gange. Die Abendstimmung hier, die Musik, der Gesang, die Gerüche, die leckeren Essensstände…….Dieser Mix erzeugt Gänsehaut pur!

Wir beschließen in einer der vielen Garküchen auf dem Platz zu essen. Das gehöre zu einem Marrakesch Besuch unbedingt hinzu, hatten wir gehört. Allerdings ist das ein Abenteuer der besonderen Art. Zunächst stürzen alle Betreiber der Essensstände auf dich zu und wollen dich zu ihrem Stand locken. Sie preisen ihr Essen, zählen auf was sie dir alles bieten, singen, trommeln, schreien im Chor, nur damit du zu ihnen an die Tische kommst. Man braucht gute Nerven, wenn alle an dir zerren. Wir nehmen schließlich Platz, die ganze Familie singt und freut sich und Muttern verspricht ein tolles Menü. Wir bekommen Wasser und Limo gratis dazu. Wir essen leckere Sachen, trinken Tee und erfreuen uns an der ganzen Atmosphäre—-bis die Rechnung kommt. Die war so hoch, dass mir der letzte Bissen Hühnchen im Hals stecken blieb. Dieter hat sich mit dem Besitzer drangegeben und angefangen zu feilschen. Er sagte ihm, dass wir bereit wären, eine gewisse Summe zu bezahlen, aber mehr nicht. Als der Garküchenmensch sich nicht darauf einlassen wollte und rumgedoktert hat, hat Dieter gedroht die Polizei zu rufen. Das wirkte! Wir gaben ihnen die Summe die wir für richtig hielten. Seitdem handeln wir immer vorher den Preis aus, wenn wir essen gehen!

Wir hatten 2 Tage für Marrakesch eingeplant. So können wir trotz des „Garküchen“ Erlebnisses am 3. Advent die Stadt ein weiteres Mal genießen. Wir machen morgens bei wunderbaren 23° eine zweistündige Kutschfahrt durch die Neu- und Altstadt. Unser Chaffeur und Thomas, mit auf dem Bock, bringen uns die Highlights näher. Wir bestaunen die großen Moscheen, die Gärten der Stadt, darunter den „Menara Garten“, der mit der Altstadt zum Weltkulturerbe gehört, fahren am Königspalast vorbei und kommen schließlich wieder in die größte Altstadt des Landes.






Wir bummeln durch die Geschäfte in der Medina und handeln heute was das Zeug hält. Mir haben es die leuchtenden Farben angetan. Sie spiegeln die Farben des Landes wieder. Ich kaufe schöne Dinge, die Verhandlungen führt mein „ Moustache“ ( franz. Schnurrbart). So ist Dieters Name bei den Händlern in den Souks. Cool!

Marrakesch ist eine der 4 Königsstädte und wird positiv in unserem Herzen einen Platz haben. Wir fühlen uns wohl hier, die Menschen begegnen uns mit Respekt, so wie wir es auch tun.  Was besonders auffällt, ist, dass einem nachts keine volltrunkenen Leute begegnen und dich ggf. anmachen oder auf eine Schlägerei aus sind. Hier gibt es keinen Alkohol. Wie wohltuend! Das meine ich ehrlich so. Auf jeden Fall kommen wir wieder, es gibt noch viel zu entdecken. Der Besuch in einem Hammam zum Beispiel.

Am nächsten Morgen fahren wir bei schönem Sonnenaufgang ganz easy aus der Stadt.  Wir haben ein Stadttor gefunden, was auf Anhieb passt. :-))

Vor uns liegen 224 km Richtung Süden nach Taroudant. Wir fahren auf der R 203 immer auf die schneebedeckten Berge des Hohen Atlas zu. Die Passhöhe bei Tizi-n-Test ist auf 2090 m. Eine absolut spektakuläre Strecke. Wir hatten schon über diesen Streckenabschnitt  gelesen. Die einschlägigen Reiseveranstalter preisen die Strecke als  die „landschaftlich schönste Straße Marokkos“. Also – da können wir nicht widersprechen. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.




Die Straße schlängelt sich durch die Atlasberge immer höher hinauf, wir passieren kleine Ortschaften, manche bestehen nur aus Lehmbauten.

Die Straße ist an manchen Stellen herausfordernd und verlangen den Fahrern alles ab. Wie Bergziegen klettern die beiden Womos immer höher hinauf.

Auf der Passhöhe gibt es zuerst mal ein deftiges Berber-Omelette für alle. Auch die Frauen der Fahrer haben es sich verdient, müssen sie doch immer in die Tiefe gucken und sagen, ob es noch um die nächste Ecke geht…. und Fotos machen.




Alles gut gegangen auf der Strecke. Gigantische Berge, erinnern an die Alpen bei uns!

Nach 6 Stunden Fahrt sind wir in Taroudant auf dem Stellplatz direkt an der Stadtmauer angekommen. Jetzt sind wir im Anti-Atlas-Gebirge und freuen uns auf weitere Abenteuer

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„Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!“

In diesem Sinne wünschen wir Euch aus Marokko ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen prickelnden Übergang in ein gesundes neues Jahr!

2 Kommentare bei „Marokko: Marrakesch und der Hohe Atlas“

  1. Martina Schreiber sagt: Antworten

    Liebe Renate, lieber Dieter (unbekannterweise),
    vielen Dank für den immer wieder fantastischen Reisebericht – ich bekomme Fernweh (aber schönes Fernweh) und jede Menge Inspiration. Viel Spaß auf allen kommenden Kilometern! Schöne Weihnachten und alles erdenklich Gute für das neue Jahr.
    Herzlichst Martina (Schreiber)

  2. Toller Bericht von euren Abenteuern! Friedliche Weihnachten!

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