Ein Sommer in Deutschland: In der Südpfalz, im Saarland, an der Mosel

Das Dahner Felsenland wurde im letzten Jahr als “Premium Wanderregion” ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wurde zum 1. Mal in der Pfalz vergeben und somit spielt das Dahner Felsenland in der Champions-League der Premiumwandergebiete mit. Insgesamt zwölf Wanderwege und weitere Spazierwanderwege lassen dich eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas, das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, erkunden. Auf schmalen verwunschenen Pfaden erleben wir Dank bester Ausschilderung einmalige Wandermomente. Wälder wechseln ab mit offenen Tälern, klaren Bächen und malerischen Dörfern. Die monumentalen Sandstein-Türme und Felsen rauben dir mit ihrer Aussicht den Atem. Wir sind auf dem “Dahner Felsenpfad” Rundweg unterwegs und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Wir treffen auf die Südpfalz in Bad Bergzabern, nachdem wir, aus dem Schwarzwald kommend, Richtung Norden gefahren sind. Wir überqueren den Rhein und fahren ein Stück durch Frankreich und später auf der Pfälzer Weinstraße. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir das Weingut Hitziger, welches am Ortsrand auf einer Anhöhe, für seine Gäste mitten in den Weinbergen einige Stellplätze bereithält. Der Dreamliner hat einige Mühe auf dem abschüssigen Wiesenstück ein geeignetes Plätzchen zu finden. Bei einem Dämmerschoppen planen wir den nächsten Tag im Dahner Felsenland.

Dazu fahren wir relativ früh am nächsten Morgen über die südliche Weinstraße in das ca. 20 km entfernte Dahn. Auf dem Wanderparkplatz finden wir einen guten Platz für den Flair. Wir frühstücken in Ruhe und schauen zu wie der Parkplatz sehr schnell sehr voll wird. Heute haben wir rücksichtsvolle PKW Fahrer um uns herum. Sie verstehen, dass ein großes Fahrzeug auch Platz zum Rangieren braucht.

Wir starten bei perfektem Wetter unseren Rundweg und staunen nur noch über diese sensationellen Felsformationen. Bei “Braut und Bräutigam” beginnt unser Einstieg in eine andere Welt, die der Burgen und Felsgestalten.

Diese bizarren Felsen aus Buntsandstein entstanden vor rund 250 Millionen Jahren. Namen wie Geiersteine, Lämmerfelsen, Teufelstisch oder Saufelsen zeigen, wie die unterschiedlichen Felsformationen immer wieder die Fantasie der Betrachter angeregt haben.

Es ist eine spannende Wanderung. Allerdings braucht es eine gute Kondition. Es geht rauf und runter, über schmale Stege, durch Felsspalten, weiter auf moosbedeckten Pfaden, über Geröll, durch dichten Wald. Und von überallher schauen dich diese Felsnasen an und du fragst dich was die über Jahrmillionen alles so erlebt haben.

Zwischendurch immer wieder herrliche Ausblicke in den Pfälzer Wald und die umliegenden Ortschaften. Kaputt, aber sehr zufrieden kommen wir nach 17,5 km und 106 Stockwerken wieder am Wanderparkplatz an. Eines steht fest, in diese Gegend kommen wir wieder und beziehen das Elsass mit ein. Wir können hier nicht übernachten, also fahren wir ein wenig weiter nach Norden, vorbei an den Burgen Berwartstein und Trifels und auch vorbei an Deutschlands größtem Schuh-Outletzentrum in Hauenstein.

Wir sind zu Gast, wie es im “Landvergnügenkatalog” so schön heißt, auf dem Marienfelderhof in Siebeldingen. Das ist ein biologisches Weingut, am Ortsrand und mitten in den Weinbergen gelegen. Ein perfekter Stellplatz mit Wasser und Strom und einem tollen Blick. Und alles nur kurze Wege in der Pfalz. Das gefällt auch meinem Fahrer nach der anstrengenden Wanderung und Kletterpartie. Er musste ja schließlich auf jeder Leiter nach oben! :-))

Am nächsten Tag haben wir wieder einen weiten Weg vor uns. 8 km müssen wir fahren nach Flemlingen. Dort stehen wir im Weingut Eichholz, in ihrem Garten sind Wohnmobile willkommen. Hier sind wir mit unseren Saarländer Freunden verabredet. Sie haben in fußläufiger Entfernung eine Ferienwohnung gemietet um uns in der Pfalz zu treffen.

Sie kennen sich aus und wir lassen es uns gutgehen: fahren mit dem Sessellift hoch auf die Rietburg, genießen weite Ausblicke ins Tal, essen Schwarzwälderkirschtorte in einem urigen Café in Roth. Die Besonderheit hier ist, dass der Kuchen gebracht und vor deinen Augen erst das Kirschwasser darüber geschüttet wird. Was es alles gibt!

Wir kehren ein in Hainfeld in eine urige Straußenwirtschaft. “Wenn’s Licht brennt is uff” heißt die. Was für ein treffender Name. Dem Weingut Koch, gleich neben gelegen, gehört die Kneipe. Sie haben u.a. einen guten Dornfelder im Ausschank! und zu günstigen Pfälzer Preisen (Flaschenpreis 4.80 Euro)

Später essen wir vorzüglich in der “Burrweiler-Mühle” (www.burrweilermuehle.de)! Eine tolle Location, bei der man immer vorher reservieren sollte. Sie haben einen leckeren Rosè auf der Karte.

Eigentlich wollten wir nach dem Treffen mit Betty und Werner weiterfahren. Es gefällt uns aber zu gut hier in der Gegend. Also bleiben wir noch und relaxen in den Hainfelder Weinbergen unterhalb der Rietburg. Wir bekommen den Tipp doch mal im Weingut Borell-Diehl vorbei zu schauen und in deren neuen Vinothek eine Weinprobe zu genießen. Gesagt, getan! Wir werden zuvorkommend von der Chefin des Hauses bewirtet. Sie erzählt vom Weingut und der Familie. Vieles erinnert mich an meine Kindheit. Wir interessieren uns insbesondere für deren Literweine. Wir haben nämlich im Laufe der Zeit festgestellt, dass eine Flasche Wein meistens zu wenig ist und zwei Flaschen na ja……

“Für viele Gelegenheiten im Alltag ist ein unkomplizierter Literwein die richtige Wahl”, erläutert uns die Chefin. “Unkompliziert in der Machart, schlicht im Auftreten, was ja immer Geschmacksache ist. Und wenn der Jahrgang es hergibt, kommt es sogar vor, dass der Inhalt bei beiden Gebindegrößen der Gleiche ist”. Also gilt es: ohne Vorbehalte den Gaumen entscheiden lassen, denn ein anständig gemachter Literwein ist ein ziemlich sicherer Indikator dafür, dass der Rest der Kollektion verlässlich gut ausfällt. Das kann ich hier im Weingut und auch in einigen anderen unserer Lieblingsweingüter total bestätigen. Worüber wir sehr lachen mussten war das Argument, dass es mit einem Liter beim Teilen zu zweit deutlich weniger Streitpotential gibt, weil sich die Menge besser ausgeht. Ha, ha, das hat mein Opa schon immer gesagt: “Literweine versteht man problemlos, denn sie sind grundsätzlich leicht zugänglich, erfordern kein großes Vorwissen, geschulten Gaumen oder zelebriertes Trinken. Literwein-Trinken ist deshalb schnörkelloser und unbeschwerter Weingenuss”! Genau!

In der Landmetzgerei Argus in Burrweiler (www.landmetzgerei-argus.de) versorgen wir uns noch mit Pfälzer Spezialitäten. Die Familie Argus hat es sich zur Aufgabe gemacht, kulinarische Köstlichkeiten nach traditionellen, überlieferten Rezepturen herzustellen. Sie verzichten bei der Herstellung bewusst auf die Verwendung von Zusatzstoffen. Sie verwenden ausgewähltes schlachtfrisches Fleisch aus der näheren Umgebung und arbeiten noch heute wie zu Großmutters Zeiten!

Auf der Weiterfahrt in meine Heimat an die Mosel, fahren wir den Schlenker übers Saarland und nehmen Werners Einladung zum Grillen gerne an. Wir stehen im schönen Saargau auf deren privaten Stellplatz und bald brutzeln herrliche Ochsenkoteletts in der heißen Pfanne über dem Buchenholzfeuer. Wie man sieht, kann Werner als alter Saarländer nicht nur Schwenker!

150 km weiter sind wir an der Mosel angekommen. Wir haben Glück und können auf dem Wohnmobilstellplatz in Neef direkt auf unseren freien Stammplatz in der ersten Reihe fahren. Hier habe ich freien Blick auf mein Heimatdorf Bremm auf der anderen Moselseite.

Bekannt geworden ist die Gegend durch den >Calmont-Klettersteig<, der von Bremm nach Eller oder umgekehrt durch den schieferreichen Calmont führt. Die bekannte Riesling Steillage hat einige spitze Felsvorsprünge, die man mit Leitern und schmalen engen Pfaden übersteigen muss. Schilder waren die Wanderer vor der teils hochalpinen Lage. Wir sind diesen Weg schon sehr oft gegangen, der sehr anstrengend ist und volle Aufmerksamkeit erfordert. Belohnt wird man mit herrlichen Ausblicken auf die berühmte Moselschleife und am Gipfelkreuz gibt es am Wochenende einen wunderbaren Riesling vom Weingut Michael Franzen zu trinken. Das ist dann alle Anstrengung wert.

Mittlerweile ist auch die andere, nicht so steile Moselseite durch einen Wanderweg bekannter geworden. Der “Mosel-Camino” verläuft dort in 8 Etappen von Koblenz nach Trier. Der Bekanntheitsgrad hat auch seine Schattenseiten, wie wir bei einem Besuch bei meiner Schwester erfahren. Die Moselaner sind es natürlich gewohnt, dass Touristen und auch Wohnmobilsten in die Gegend kommen. Corona bedingt hat sich aber jetzt die Menge der Fahrzeuge vervielfacht. “Sie stehen überall, auch in den entlegensten Waldwegen, wo wir mit dem Hund spazieren gehen und lassen meistens alles, auch was aus ihnen herauskommt einfach liegen”, berichtet mein Schwager ziemlich frustriert. Und der Hund schleppt dann alles an. Leere Flaschen, Plasitkmüll und was sonst noch. Wir haben ähnliche Geschichten auf unserer Reise vermehrt gehört. Ich frage mich dann immer, ob sich die Leute bei sich zu Hause auch so verhalten.:-((

Zu guter Letzt besuchen wir noch unsere Freundin Mira in Prüm und staunen über die Veränderungen in dem staatlich anerkannten Luftkurort. Die weithin sichtbare Abtei mit der Sankt-Salvator Basilika erhielt einen neuen Vorplatz. Die Straßen sind hoch oben mit bunten Schirmen geschmückt während der Verkehr unvermindert durch die Stadt braust.

Zuhause werden wir von der Hausgemeinschaft willkommen geheißen. Wir freuen uns, dass trotz der Hitze die Pflanzen im Garten alle wohlauf sind. Dank an Frank und Nicole! Abends lassen wir beim Sundowner im Garten unsere Reise Revue passieren:

Zwei Monate waren wir im Sommer und während der Sommerferien in Deutschland unterwegs. 3500 Kilometer haben wir dabei zurückgelegt. Wir sind meinem roten Reise-Faden gefolgt und haben Hot Spots weitestgehend gemieden. Das Konzept, Stellplätze bei Bauern und Winzern mit dem Katalog Landvergnügen zu finden ist voll aufgegangen. Wir haben auch viel frei gestanden und kleine Gemeindestellplätze in Dörfern und Kleinstädten bevorzugt. Das Wetter war sensationell gut. Wir haben unterwegs viele schöne Rückmeldungen zu den Berichten und Tipps für die jeweilige Gegend erhalten. Es gab einige Wohnmobilisten, die unsere Blogadresse auf dem Wohnmobil gesehen haben und dann auf “unseren Spuren” gewandelt sind, was mich besonders gefreut hat. Wir haben bewegte acht Wochen hinter uns, im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Handy hat 399 Wanderkilometer aufgezeichnet; dabei haben wir auch rund 1000 Stockwerke bestiegen! Das können meine Schuhe bezeugen.:-))

Es kommen dann noch ca. 400 Radkilometer dazu. Die Kalorienbilanz kann sich, trotz der vielen Bier- und Weinproben sehen lassen! Mittlerweile ist es dunkel geworden im Garten. Die Fledermaus zieht ihre Runden und auch unser Igel kommt zur Begrüßung raschelnd aus dem Gebüsch. Nur Nachbars Katze, die es sich auf der Gartenbank ohne Störungen immer bequem gemacht hatte, runzelt die Stirn und lugt hinter den Hortensien hervor, so als wolle sie sagen: “Wann gehen die denn endlich wieder”;-))

Keine Sorge Katze, wir gehen bald schon wieder. So nach dem Motto: >Ab in den Süden, der Sonne hinterher< plane ich unsere Überwinterung. Wo und wann das genau sein wird, gebe ich rechtzeitig hier bekannt. Bis dahin und bleibt gesund!

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