Schneeglitzertage im „Hohen Venn“!

Mit netten Menschen, genussvoll und erwartungsfroh sind wir in das neue Jahr gestartet! Nach einer ausgiebigen Neujahrswanderung gibt es Sauerkraut mit Schupfnudeln und Rippchen. Zubereitet haben das Heidrun und Harald. Das ist ein Traditionsgericht bei ihnen zuhause und soll Glück bringen fürs neue Jahr! Mmmh, jeder Bissen von diesem leckeren Essen macht sofort glücklich! Und dazu noch ein Rieslingssekt vom Winzer Eilenz von der Saar. Soviel Glück ist kaum zu fassen:-))

Das neue Jahr fängt also vortrefflich für uns an!

Ja, ich weiß, Corona hat es auch geschafft mit uns ins neue Jahr zu wechseln. Aber was soll’s! Dagegen, auf sogenannten Spaziergängen, demonstrieren hilft auf jeden Fall überhaupt nichts! Wir sind geboostert und nehmen die neue Virus-Variante Omikron ernst, lassen uns aber nicht davon abhalten, weiter die Welt zu bereisen.

Warum wir denn noch nicht in Spanien sind, bin ich wiederholt gefragt worden. Die Fotos vom blauem Himmel, von Sonne und Meer machen uns immer fröhlich, schreibt eine Freundin. Wir freuen uns natürlich auch darauf, bald wieder in wärmere Regionen zu kommen. Wir wollen das aber mit unserem neuen Wohnmobil tun und das lässt seit Ende November auf sich warten. Ich will dieses Thema nicht weiter vertiefen, Warten ist halt nicht meine Stärke:-((

Wir machen es uns Zuhause schön und ich fröhne meinem neuen Hobby. Steine bemalen! Freunde und Familie freuen sich, dass wir Zeit für sie haben. Außerdem den Kopf frei kriegen für neue Gedanken, Ziele und Projekte. Und Dirty Harry ist ja auch noch da. Der ist sowieso schon beleidigt, weil wir ständig von dem neuen Wohnmobil sprechen. Dagegen müssen wir etwas tun. Mein Lieblingsmensch hat eine gute Idee. „Lass uns mal eine Revival-Tour in die Gegend meiner Kindheit und Jugend fahren“. Und zwar ins Grenzgebiet zwischen Belgien und der Eifel. Gesagt getan! Es hat geschneit in der Eifel und im Hohen Venn und es sind ein paar Sonnentage im Wetterbericht vorhergesagt.

Unser Kurztripp startet in der alten Kaiserstadt Aachen auf dem Wohnmobilstellplatz im Stadtteil Burtscheid. (www.aachen-camping.de) Von dort kann man gut mit dem Bus in die Altstadt fahren. Zu Fuß ist natürlich auch möglich. 2,5 Kilometer sind es bis zum Dom. Der Stellplatz, von der Stadt Aachen betrieben, hat mächtig aufgerüstet, allerdings auch preislich. Es gibt ein neues großzügiges Sanitärhaus mit großen Duschen und Waschmaschinen. Der Strom/Wasser am Platz und Duschen ist von jeher inklusive. Der ganze Spaß kostet jetzt 23 Euro! Wir haben Gott sei Dank noch eine „alte“ 10er Karte. Wir können noch 7x wiederkommen. Für ein, zwei Übernachtungen mit Einkaufsbummel in die Stadt und eine leckere Pizza in der nahegelegenen Pizzeria Piccolino, brauche ich keine Superdusche und keine Miele Waschmaschine. Und Strom brauchen wir für die Zeit auch nicht. Uns ist es lieber wenn man auf einem Stellplatz einen Grundpreis bezahlt und die Dinge, die man vielleicht sonst noch benötigt, dazubuchen kann. Übrigens, die Pizza darf man sich nicht entgehen lassen! (www.piccolino-aachen.de) Es gibt einen Bringservice auf den Stellplatz. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so ein schmackhaftes und kreatives Gericht verzehrt habe. Unsere Favoriten sind: Pizza Avocado und Pizza Fino!

So gestärkt begeben wir uns in die Innenstadt, kaufen im Traditions-Kaffeehaus „Plums“ unsere Hausmarke und besuchen in der Bäckergasse das „Printenmädchen“. Es steht vor dem ältesten Kaffeehaus >Van den Daele<. Hier wußte man schon vor einigen Jahrhunderten das Tradtiontionsgebäck der Aachener die „Öcher-Print“ zu schätzen. Ein aus Nürnberg stammender Bäcker war es, der die Printen erfand. Er hatte die Nürnberger Lebkuchen im Kopf und änderte das Rezept so ab, dass ein Hartlebkuchen entstand. Dieser wurde vor dem Backen in kunstvoll geschnitzte Formen „gedrückt“. Von diesem Pressvorgang hat das Aachener Nationalgebäck seinen Namen erhalten. Da hab ich im neuen Jahr gleich wieder was gelernt, obwohl sich um die „Erfindung“ der Aachener Printen viele Geschichten ranken. Sogar Kaiser Karl der Große und Napoleon werden damit in Verbindung gebracht. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.

Wir verlassen diese spannende Stadt und fahren über die nahegelegene belgische Grenze in den Naturpark „Hohes Venn“. Unzählige Wanderwege warten darauf entdeckt zu werden. Hier ist immer viel los, deshalb ist es wichtig, frühmorgens einen der zahlreichen Wanderparkplätze aufzusuchen. Für Wohnmobile gibt es leider mitlerweile viele Verbotsschilder. Wir erfahren in der Touristinfo in Botrange, dass sie hier über den Jahreswechsel von Besuchern überrannt wurden. Alle Straßen waren von parkenden Fahrzeugen verstopft, die Autos standen zum Teil bei den Anwohnern im Vorgarten. Daraufhin wird die N 67 an den Wochenenden teilweise gesperrt. Wir haben Glück und finden auf einem Parkplatz neben der neu gestalteten Brauerei >Belgium Peak Beer< einen Platz und übernachten auch dort. Sie liegt ca. 700 m hoch und gilt damit als höchstgelegene Brauerei Belgiens. http://www.peakbeer.be

Ach wie schön, wir haben doppeltes Glück. Strahlender Sonnenschein, eine geile Luft und blauer Himmel bereiten uns tagsüber ein herrliches Wandervergnügen. Abends wartet ein Bier-Tasting vom Allerfeinsten auf uns! Wir genießen das leckere Bier im Wohnmobil und Dieter holt später noch Nachschub. Kurze Wege in die Brauerei bescheren uns einen langen Abend. Hierher kommen wir im Sommer nochmal. Denn das Hohe Venn ist eines der letzen Hochmoore Europas. Ein besonderes Naturerlebnis sind die Wanderungen auf dem Holzstegen, die jetzt im Winter hoch verschneit sind.

Auch an meinem Geburtstag scheint die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Wir machen einen Ortswechsel und fahren in Dieters früheren Heimatort nach Kalterherberg. Bekannt ist dieser Ort u.a. durch seinen markanten „Eifeldom“. Dieter erzählt mir Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend. Vom Sammeln von Erkennungsmarken gefallener Soldaten und Munitionsfunden an dem nahegelegenen Westwall, vom Spielen in alten Bunkern, den Auseinandersetzungen mit belgischen Singvogelfängern und Erlebnissen vom Langlaufen und Schlittenfahren im hohen Schnee. Die Winter der 1950ziger Jahre waren schneereicher und kälter als heutzutage.

Wir machen es uns gemütlich auf dem Parkplatz von „Gut Heistert“. Im Sommer ein Anziehungspunkt für Wanderer. Im Winter ist die Gaststätte geschlossen, nur die Ferienwohnungen sind belegt. Eine Wanderung auf dem Narzissenweg durch das Perlenbachtal ist heute dran. Die wilden Narzissen im Perlenbachtal stehen unter Naturschutz und sind im Frühling/Sommer eine Augenweide für die vielen Besucher*innen. Die Wanderwege sind auch jetzt gut besucht und wunderbar ausgeschildert. Nur ich will eine Abkürzung gehen, schließlich warten die Geschenke auf mich im Wohnmobil ;-)). Das hätte ich mal besser nicht vorgeschlagen. Am Anfang ist der Weg noch gut begehbar, später stapfen wir durch den Wald auf eigenen Wegen! Soll heißen, da ist vor uns noch keiner gegangen. Normalerweise hinterlasse ich gerne in unberührtem Schnee meine Spuren. Aber, wenn die Sonne sich so langsam anschickt unterzugehen und du nicht wirklich weißt wo du bist, könnte ich schon wieder anfangen meine kölschen Lieder zu singen, um mein Unbehagen loszuwerden. Mein Lieblingsmensch ist bei mir, brummelt zwar ein wenig „von wegen Abkürzung“, führt uns schlußendlich raus aus dem Wald und ins warme Wohnmobil. Eine Abkürzung war das aber nicht! 10 km haben wir auf der Uhr und ich lasse mir mein flüssiges Geburtstagsgeschenk schmecken. Das Leben ist schön! Auch wenn wir unaufhaltsam älter werden, lassen wir uns nicht unterkriegen. Schließlich singt Udo Jürgens für mich, dass das Leben jetzt erst anfängt….

So besuchen wir auch noch das Eifelstädtchen Monschau. Die Stadt liegt zwischen den Berghängen des Naturparks Hohes-Venn in der Rureifel. Es ist wie eine Reise in eine vergangene Zeit. Am Ufer der Rur, die mitten durch das pittoreske Örtchen fließt, reiht sich ein liebevoll renoviertes Fachwerkhaus an das andere, verwinkelte romantische Gassen führen durch den Ort und jeder Blick um die nächste Ecke, offenbart ein neues Bild. Die Burg Monschau thront mit ihren Türmen über der Stadt und von der gegenüberliegenden Ruine hat man einen guten Rundumblick.

Ein Besuch in der historischen Senfmühle ist obligatorisch. Hier wird in der 4. und 5. Generation Senf in der über 100 Jahre alten Senfmühle hergestellt. Wir kaufen mehrere Sorten und auch die Holzlöffel dazu. Die Verkäuferin erklärt, dass man damit den reinen Geschmack des Senfs hat. Denn Senf ist ein saures Produkt und Metalle oxidieren dadurch schnell und können als Ionen in das Lebensmittel Senf wandern. Wieder was gelernt. Wir probieren zuhause die Senfsorten. Der >Ur-Senf< schmeckt uns am besten.

Den letzten Tag unserer kleinen Venn-Runde verbringen wir im >Oberen Rur-Tal< wieder auf einem Wanderparkplatz. Die Sonne lacht und eigentlich müssten wir zu unserem letzten Highlight, dem >Kreuz im Venn< aufbrechen. Wir haben aber immer noch die lange Geburtstagswanderung in den Beinen. So kredenzt mein Lieblingsmensch einen wunderbaren weißen Glühwein aus unserem bevorzugten Weingut vom Bodensee. Wir stehen hier mit mehreren Wohnmobilen. Die Männer kommen vorbei und interessieren sich für unseren Allrad. Ich lasse mir schmunzelnd meinen Glühwein schmecken, kenne ich doch schon die ganzen Fragen zu dem Thema: Ist ja ein tolles Fahrzeug, aber braucht man den Allrad wirklich? Hallo! Die Frage könnten sie sich eigentlich gerade hier selbst beantworten. Wir stehen auf dem schönsten Platz des Parkplatzes, wo andere sich nicht hintrauen, weil hier der meiste Schnee liegt. OK, noch einen Glühwein, das Vennkreuz muß warten.

Ein wenig bestraft wird unsere Faulheit doch. Am nächsten Morgen ist alles trüb und grau, nach drei herrlichen Sonnentagen. So müssen wir den historischen Ort auf dem vereisten Weg durch den Wald im schlechter werdenden Wetter aufsuchen. Ich bastele mir zwei dünne Baumstämme als Stöcke zurecht. So komme ich besser über die vereisten Stellen. Denn der Besuch des Kreuzes ist für Dieter Programm. War es doch für ihn als Kind ein besonderer Höhepunkt, hierher zur Richelsley zu kommen. Bekannt wurde diese 80 Meter Felsformation durch ein 6 Meter hohes und ca. 1,4 Tonnen schweres, mächtiges Kreuz, das auf dem Kamm des Felsen steht. Eingebettet in den Felsen steht ein große Marienstatue. Sie wird auch Lourdesgrotte genannt und ist ein bekanntes Pilgerziel.

Errichten ließ das Kreuz ein Pfarrer, der auch der Erbauer des Eifeldoms in Kalterherberg war. Er wollte damit an den Mönch und Prior des nahegelegenen Klosters Reichenstein, Stephan Horrichem erinnern, der unermüdlich für die bedrängten Menschen im Venn während des 30-jährigen Krieges tätig war. Wir beenden unseren Morningwalk mit dem Besuch des historischen Kloster Reichenstein aus dem 12. Jahrhundert. Hier gibt es zur Zeit wenig zu sehen. Das weiltläufige Klostergelände ist eine Baustelle. Es soll nach Jahren der Zweckentfremdung wieder als Kloster renoviert und genutzt werden. Trotz des diesigen Wetters ist es schön, hier an der Rur entlang zu laufen. Wir schauen uns noch ein Stück des Vennradwegs an. Das ist ein weiteres Projekt für den Sommer.

Im dichtem Schneetreiben verabschieden wir uns am Grenzstein in Mützenich von unserem Kurztripp in diese ursprüngliche und sehenswerte Grenzregion, nur ca. 90 km von uns entfernt. Alle Parkplätze sind trotz des schlechten Wetters schon wieder voll belegt. Hier nochmal unser Tipp: Wer ins Venn will, muss früh aufstehen!

Ein Kommentar bei „Schneeglitzertage im „Hohen Venn“!“

  1. Martina und Roland sagt: Antworten

    Hallo ihr Weltenbummler,
    ich genieße eure Berichte immer wieder, herrlich.
    Und in der Heimat gibt’s ja auch einiges zu entdecken.
    Herzliche Grüße
    Martina und Roland

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