Sunshine-Tour im Winter: Von Klöstern, Katalonien und anderen Köstlichkeiten; Schlussetappe und Fazit

Wir sind fast den gesamten April in der >spanischen autonomen Gemeinschaft Katalonien< unterwegs. Und fast automatisch beschäftige ich mich wieder mit dem schon fast 400 Jahre alten Katalonien-Konflikt. Am 7. Juni 1640 erreicht der Aufstand, der in den Dörfern des Hinterlandes seinen Ursprung nahm, endgültig die Hauptstadt. Wütende Landarbeiter ziehen am Fronleichnamstag durch Barcelona und protestieren gegen die Regierung in Madrid. Deren Macht in Katalonien bricht zusammen, sogar den Vizekönig ermorden die Rebellen und überall in der Provinz lodern gewalttätige Tumulte auf. Lange Zeit war Katalonien weitgehende unabhängig im spanischen Staatenverbund. Bis Philipp IV. alle Regionen des Reiches unter einheitliche Gesetze zwingen will. „Tod den Verrätern“, skandieren sie an diesem Fronleichnamstag 1640 in Barcelona.

In all den späteren Jahrhunderten hat sich nicht viel geändert. Klar, es gibt keine Bauern mit Sicheln mehr, die durch Barcelona marschieren und auch auch keine blutigen Kriege. In der Neuzeit sind die Politiker am Werk. Ihre Waffen sind Worte und vor allem Gesetze. In einem >Autonomiestatut< ist die Kompetenzverteilung zwischen dem spanischen Staat und den Regionen geregelt. Es gibt dennoch keine politische Ruhe in Katalonien. Immer wider streben die Katalanen ihre Unabhängigkeit an; zuletzt in dem Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017.

In der Stadt Vic z. B. ist die politische Willensbildung überall erkennbar! Dazu später mehr.

Aber zunächst erholen wir uns von dem eindrucksvollen Tag in dem traumhaft schönen Montserrat! Es geht nach Avinyó in das kleine katalanische Dorf, welches ich schon in meinem letzten Bericht kurz erwähnte. Wir sind zunächst die einzigen Gäste auf deren Gemeindestellplatz. Wir blicken zum Sonnenuntergang ins Grüne und beobachten die Kühe auf der nahen Weide. Ein eisgekühlter „Trepat“ von Freixenet, mit einer leichten Roséfärbung hilft uns den einzigartigen Tag stilvoll zu beenden.

Am nächsten Tag genießen wir bei einem Morningwalk auf den „Torré de Soldate“ die grüne Landschaft. Überall sind Wanderwege ausgeschildert. Alles lädt zum längeren Verweilen ein. Die Bäckersfrau freut sich über Dieters Einkauf, der Metzger ein paar Meter weiter, berät mit meinem Koch, was es denn an Fleisch sein darf. Die Kinder gehen in den nahen Kindergarten und winken uns zu. Wir merken uns diese Idylle und fahren nach einem ausgedehnten Frühstück 30 km weiter nach Vic. Hier stehen wir auch wunderbar im Grünen auf deren terrassierten Stellplätzen hinter den Sportanlagen. (Area Municipal de Vic; GPS: N41°56’4″; E2°14’24“)

Der Platz kostet 5 Euro und kann nur über eine App, die man sich dafür runter laden muss und dann mit der Kreditkarte bezahlt wird. Das ist ziemlich umständlich und kostet Daten, aber wir wollen ja keine Zechpreller sein. Dieter macht alles was verlangt wird, und die Bezahlung klappt. Am nächsten Tag ruft unsere Bank an und fragt nach der Richtigkeit der Transaktion. Sie hätten eine fremde App und darüber einen Zugriff auf unser Konto bemerkt und wollten nachfragen, ob das alles seine Richtigkeit hätte. Wir sind verblüfft, freuen uns aber über soviel Aufmerksamkeit! Das gibt ein sicheres Gefühl.

Der Stellplatz ist nur zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt und so machen wir uns bald auf den Weg zur Plaça Major, dem Mittelpunkt der Stadt. Vic ist eine schöne, gepflegte Stadt. Wir genießen den Weg in der Morgensonne bei angenehmen Temperaturen. Biegt man auf die Plaça Major ein, trifft man hier auf die geballte Politikmacht. Du stehst sozusagen mittendrin im katalanischen Wunsch nach Unabhängigkeit. Von allen Häuserwänden blicken dich die führenden Köpfe der Separatistenbewegung an.

Auch in den verwinkelten Altstadtgassen und den für Vic bekannten Arkadengängen, lassen dich die Fahnen und Unabhängigkeitszeichen nicht los. Von der mehrfach zerstörten Kathedrale sind nur noch der Glockenturm und die Krypta original erhalten. Aber neben der Politik und dem ungewöhnlichen Baustilmix gibt es in Vic noch etwas ganz irdisches für das die Stadt bekannt ist! Eine Spezialität ist die würzige Salami namens Sachicón de Vic. Die durfte zum Abschluss des Rundgangs in unserer Einkaufstasche nicht fehlen. Schmeckt köstlich!

Auf dem Weg nach Girona machen wir für ein paar Tage Halt in Vilanova de Sau. Mitten im Grünen, Irgendwo im Nirgendwo, gibt es einen perfekten, kostenlosen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung und Strom an einem Bach gelegen. ( Parking Villanova de Sau, GPS: N41°57’0″; E2°23’14“) Wanderwege ohne Ende sind mit gut sichtbaren und lesbaren Pfeilen markiert. Ein großer Stausee in der Nähe ist eins unserer Wanderziele. Auf einem großen Übersichtsplan sind weitere solcher Stellplätze, die mitten in der Natur liegen, markiert. Dieses Projekt ist super durchdacht und mit EU Mitteln finanziert. Wir sind begeistert und werden auf einer späteren Tour in die Gegend einige dieser Stellplätze aufsuchen.

„Wer auf dem Weg an die Küste oder nach Barcelona an Girona vorbeifährt, verpasst eine Altstadt mit begehbarer Stadtmauer, hübschen Gassen und gewaltiger Kathedrale!“

Das hatte ich in meinen Unterlagen der letzten Reise gelesen und markiert. Bisher passte es für einen Besuch irgendwie nie! Deshalb jetzt. Das Wetter ist schlechter geworden, es regnet immer mal wieder. Das hält uns aber nicht davon ab, die Stadt (98.000 Einwohner) mit ihren bunten Häusern, die sich am Fluss Onyar ausbreiten, zu besuchen. OK, die Farben der Häuser leuchten in der Sonne bestimmt mehr.

Es gibt einen bewachten Stellplatz mitten in der Stadt, die Zufahrt ist etwas kniffelig und eng. Du siehst den Stellplatz nicht wirklich durch die Einzäunung. Am Tor, auf der rechten Seite angekommen, muss man richtig nah ranfahren, dann erst öffnet sich dieses. Einige Womos sind weitergefahren, weil sie das nicht begriffen haben. Wir finden auf dem fast leeren Parkdeck einen Platz. Wenn es hier voller ist, kommt man mit einem größeren Fahrzeug schon in die Bredouille. Aber Dirty Harrys kriegen das hin. Wir zahlen 13 Euro und freuen uns über den sicheren Stellplatz im Stadtgebiet. (Parking Vayreda La Devesa; GPS: N41°59’2″; E2°48’50“) Es regnet leicht, wir nehmen die Schirme mit und laufen durch den angrenzenden Park ca 1,8 km über die Plaça Major in das Zentrum. Die Altstadt breitet sich längs des Flusses aus. Ein Gewirr von Gassen, Treppenwegen und Plätzen, in dem es ständig bergauf und bergab geht, erwartet uns. Über der Altstadt ragt die Kathedrale Santa María auf. Leider war sie verschlossen, ebenso konnten wir nicht die Stadtmauer begehen. Schade, aber verständlich in der Pandemie. Die Wege sind sehr eng.

Enge Zugänge führen auch in das Judenviertel El Call, das in seiner Bausubstanz weitgehend original erhalten blieb. Die Häuser drängen sich noch enger zusammen als in den anderen Bereichen der Altstadt: Gassen in denen sich die Fassaden der gegenüberliegenden Häuser zu berühren scheinen, steile Treppen, tunnelartige Passagen, tiefe Torbögen und versteckte Innenhöfe. Seit dem 9. Jh. trieben die spanisch-portugiesischen Juden hier erfolgreich Handel. Dann kam Antisemitismus auf. Im 11. Jh. schließlich trennte man ihr Viertel durch Mauern vom Rest der Stadt ab, es wurde zum Ghetto! Wir lauschen in dem kleinen Museum, das die Geschichte der Juden Gironas im Spätmittelalter dokumentiert, ziemlich erschüttert diesen Ausführungen. Uns war nicht klar, dass die Juden in so frühen Jahrhunderten schon geächtet wurden. Girona hat nicht nur deshalb einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen. Kulturhistorisch alt und dennoch bunt und grün ist diese Stadt. Wir schlafen ruhig auf diesem Stellplatz mitten in der Stadt.

Wir bewegen uns nun unaufhaltsam auf die Grenze und damit auf das Ende unserer Reise zu, wollen aber dennoch einen kurzen Abstecher an die Costa Brava machen. Wir haben in Palamós einen interessanten Stellplatz ausgemacht. Terrassenförmig angelegt ist er und heißt >Playa de Aro< (www.autocaravaningpalamos.com)( GPS: N41°51’22“; E3°08’08“). Wir fahren auf die oberste Ebene. Hier kann ich wieder vom Bett aufs Meer schauen, ein schöner Abschluss.

Wir erwischen noch einen Sonnentag und laufen entlang der wildromantischen Küste auf einem schönen Wanderweg einmal rechtsrum Richtung Stadt. Palamós liegt an einer der vielen Buchten mit einem langen Sandstrand. Im Hafen liegen Fischerboote, wir genießen den Blick von oben auf die Stadt. Am nächsten Tag nehmen wir den Wanderweg nach links zum Castell und weiteren kleinen Buchten. Uns gefällt es trotz des regnerischen Wetters sehr gut an der Costa Brava. Der Tourismus hat zwar auch hier seine Spuren hinterlassen, es gibt aber viele schöne Ecken, insbesondere Richtung der spanischen Grenze. Von Palamós fahren wir direkt nach Empúriabrava und sparen uns die Heimat von Salvator Dalí auf für ein anderes Mal.

Dort angekommen, staunen wir nicht schlecht über die Anordnung dieses Ortes, durchzogen von Kanälen. Die Marinasiedlung Empúriabrava wurde in den 1960er-Jahren an einem etwa 30 km langen Netz von Kanälen erbaut. Vornehme Villen und einfache Reihenhäuser säumen die Wasserstraßen, davor wiegen sich große Jachten und kleine Motorboote auf etwa 5000 Liegeplätzen im Rhythmus der Wellen. Urlauber schätzen natürlich das große Wassersprotangebot und den kilometerlangen Sandstrand.

Wir sind aber aus einem anderen Grund an diesem Ort. Hier wollen wir in der Arztpraxis von Dr. Eduardo de Fonsdeviela einen PCR- Covid 19 Test machen. Der ist in dieser Pandemiezeit erforderlich für die Durchreise in Frankreich! Wir stellen unser Womo auf den kostenlosen Stellplatz, auf dem schon viele Wohnmobilsten aus aller Herren Länder stehen, ab und laufen zu Fuß durch die Kanäle zur Praxis. Auf der langen Avenue vor der Praxis parken auch Wohnmobile. Wir müssen über den Hof in einer kleinen „Schlange“ warten bis wir an der Reihe sind. Es geht völlig ungezwungen zu. Uns wird das Procedere erklärt und wir werden gefragt wie schnell wir das Testergebnis haben wollen. Es gibt gestaffelte Preise. Alles ist hier durchorganisiert. Wir entscheiden uns für ein Testergebnis um 12.00 Uhr des nächsten Tages und zahlen dafür 80 Euro pro Person, direkt in bar. Nach dem Test laufen wir an den nahegelegenen Strand und trinken einen Sundowner. Auf dem Rückweg zum Stellplatz fragen wir uns beim Anblick der Jachten, die vor den Haustüren vertäut liegen, welche Jacht wohl dem sympathischen Doktor gehören mag, dessen Praxis durch die verlangten PCR-Tests geradezu überflutet und dadurch jetzt eine wahre Goldgrube ist. ;-))

Am nächsten Tag holen wir zur vereinbarten Zeit unser Gottseidank >negatives< Ergebnis ab und gönnen uns die traumhaft schöne Küsten-Route bis zur Grenze nach Portbou. Hier, an völlig zugesprayten Gebäuden und normalerweise verlassenen Grenzübergang, werden wir von freundlichen französischen Grenzbeamt*innen kontrolliert und willkommen geheißen. Der polnische Transporter vor uns hatte mich schon kilometerweit mit seinem provokanten Bild genervt, wir haben aber trotzdem geduldig die genaue Kontrolle seiner Ladung abgewartet. Dann waren wir froh, dass die Nationalgardisten*innen unseren aktuellen PCR-Test und Dirty Harry wohlwollend betrachten und uns dann mit „Bon Voyage“ verabschieden!

Das Wetter wird immer besser und so beschließen wir noch das Wochenende in Südfrankreich auf dem kleinen Stellplatz in Periac de Mer zu verbringen. Wir kennen den Stellplatz von der Herfahrt. Bei 25° genießen wir die Salinenlandschaft, begrüßen die verbliebenen Flamingos, kaufen morgens warmes Baguette und Croissants im Dorf und machen eine ausgedehnte Wanderung in die Weinberge des Languedoc.

Um 19.00 Uhr beginnt die Ausgangssperre in Frankreich. Daran hält sich Jeder. Es wird schlagartig leer und ruhig. Auch wir halten uns auf der Weiterfahrt natürlich daran. Wir fahren auf der mautfreien Autobahn bis „Clermont Ferrand“ Richtung „Dijon“ und übernachten ca. 420 km später auf einem schönen Gemeindestellplatz an einem kleinen See in Thiers ganz in der Nähe der Autobahn. (Aire de Camping-Car d’Iloa N45°52’15“; E3°28’59“). Das ist ein toller Platz mitten im örtlichen Freizeitgelände. Die Menschen spielen dort bei lauen 24° Tennis, Squash, Minigolf. Einige angeln, andere lassen ihre geländegängigen Modellautos über eine kurvenreiche Strecke düsen. Wir trinken in der Abendsonne unser „Ankomm-Bier“ und genießen diese Atmosphäre. Um 19.00 Uhr sind alle weg. Ziemlich gespenstig im Nachhinein betrachtet. Wir stehen in dem großen parkartigen Gelände mit zwei anderen Wohnmobilen ganz alleine.

Am nächsten Morgen sind alle Freizeitler wieder da, wir machen noch eine Walkingrunde um den See und staunen über den Geländeparcours für Modellrennwagen, sowie die Fahrkünstler an den Fernsteuerungen!

400 km weiter übernachten wir wieder auf einem super Stellplatz in Bulgneville in der Nähe der Autobahn, wovon man aber nichts hört. Wieder gibt es einen See, den wir umwandern und Angler dabei beobachten wie sie dicke Karpfen aus dem See fischen und sich darüber freuen! Eines muss man den Franzosen lassen. Sie sorgen für ihre Wohnmobilsten. Es gibt ein engmaschiges Netz von Gemeindestellplätzen, meistens sogar kostenlos! Und es gibt an vielen Tankstellen oder anderen Plätzen Entsorgungsmöglichkeiten. Picknickplätze laden zum Verweilen ein.

Luxemburg erreichen wir nach 250 Kilometern. Hier wollen wir tanken und auf dem neuen Stellplatz in Remich an der Mosel noch einmal übernachten. Das stellte sich als nicht machbar heraus. Als wir ankommen ist der Platz gut gefüllt, es sind aber noch wenige Stellplätze frei. Hauptsächlich auch deutsche Wohnmobilsten haben Luxemburg erobert, da in Deutschland nichts geht auf Camping- und Stellplätzen! Für uns unverständlich, da wir auf der ganzen Reise im Ausland keine geschlossenen Plätze gesehen haben.

Der Automat an der Schranke sagt aber „Complet“ und du kannst nichts machen. Diejenigen die abgereist sind, haben nicht ausdrücklich dem Computer beim Auschecken gesagt, dass sie nicht wiederkommen, so drücke ich das mal untechnisch aus. Und genauso erklärten uns das Christiane und André später. Die beiden netten Menschen, die wir gut kennen und die zufällig mit ihrem neuen Flair auch auf dem Platz stehen, aber gerade nicht da sind, als wir ankommen. Sie haben der Gemeinde Remich das Problem dieses komplizierten An-und Abmeldevorgangs und die damit ggf. einhergehenden Einnahmeverluste schon geschildert, wie sie uns per WhatsApp mitteilen! Wir warten noch einige Zeit vor der Schranke ob der Computer vielleicht einen Platz frei gibt. Gerne hätten wir auch mit den Beiden auf Abstand ein Getränk zu uns genommen! ;-)) Es tut sich nichts in Remich. Wir fahren weiter durch Luxemburg Richtung Norden. In Vianden an der Our finden wir noch ein Plätzchen auf einer Wiese neben dem vollen Stellplatz. Überwiegend deutsche Wohnmobile stehen auch hier. Das Wetter ist gut, wir lassen die schöne luxemburgische Landschaft auf uns wirken. Auf dieser letzten Etappe entsteht der Plan für eine weitere Reise, die wir in diesem Jahr im Spätsommer, wenn Corona es zulässt, gerne machen wollen:

Eine Benelux-Tour! Wieder mal nach dem Motto: warum denn in die Ferne schweifen….. wollen wir unsere Nachbarländer Holland, Belgien und Luxemburg bereisen und Gemeinsamkeiten, Besonderheiten und Unterschiede herausarbeiten. In Belgien legen wir einen Schwerpunkt auf die kulinarische Seite; es gilt spannende Auberges mit mehrgängigen Menüs und Platz für Wohnmobile zu besuchen. Hollands Küste statten wir einen Besuch ab, ebenso radeln wir auf der „Mergellandroute“, die Gegend, die auch die „holländische Schweiz“ genannt wird. Auch Luxemburg hat eine „Schweiz“. Wir erwandern nämlich das Müllerthal und lassen uns auf der Sauer treiben. Ihr seht, wir haben viele Ideen und spannende Ziele. Auch Ziele in der weiteren Welt werfen ihre Schatten voraus!

Während ich diesen Bericht verfasse, sitze ich in unserem Wintergarten und schaue in die Blütenpracht unseres Frühlingsgartens. Dank der guten Pflege unserer Nachbar-Freunde Nicole und Frank, hat uns der Garten nicht wirklich vermisst und wir gewöhnen uns schnell wieder ein. Am 1. Mai trinken wir gemäß dem Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes „Solidarisch ist man nicht alleine“ gemeinsam auf Abstand im Garten auf die Freundschaft. Inzwischen haben wir auch die 1. Corona-Impfung hinter uns. Bis jetzt ohne Nebenwirkungen! :-))

Ich bedanke mich herzlich für die vielen Tipps, Kommentare und Anregungen während der Tour! Schön, dass Ihr mitgereist seid!

Hier gibt es jetzt noch das Fazit meines Lieblingsmenschen, der auf der Reise gleichzeitig mein Fahrer, Bordmechaniker, Koch und Pfadfinder war:

Ja, wir würden es auch diesmal wieder tun!

189 Tage, 8438 km (in Luxemburg, Frankreich, Spanien und Portugal) an
insgesamt etwa 70 Standorten. Diesmal ohne zusätzliches, fahrbares „Zubehör“, da wir ursprünglich eine Rundreise mit der Erkundung vieler Stellplätze, abseits des „Mainstreams“ vorhatten!

Doch durch die verschiedenen „Pandemie-Regelungen“ als ständige Begleiter sind wir, je nach regionaler Regelung, länger an einem Standort geblieben. Dadurch sind dann auch noch 1100 km Küsten- und Bergwanderungen dazu gekommen!

Danke an das Team von www.kasteninblau.de, von dem wir umfangreiche, detaillierte und zutreffende Informationen zum mobilem Internet in Spanien erhalten haben! Wir haben uns für eine SIMYO-Prepaid Karte entschieden, deren monatliche Kosten mit 17,-€ und 35 GB durchaus günstig ist! Sodass unsere mobile SAT-Anlage kaum zum Einsatz kam (wir haben ja auf eine automatische SAT-Anlage zugunsten einer 400 Watt Solaranlage verzichtet) D.h. mit ausreichend Gigabyte ausgestattet war Surfen und Streamen kein Problem, zudem auch „Roaming“ damit möglich ist!

Netzabdeckung war auch kein Problem und so haben wir unsere aktuellen Planungen und den Informationsbedarf u.a. zu den jeweiligen regionalen Pandemieregelungen gut im Internet recherchieren können!

Sehr hilfreich waren für uns verschiedene Gruppen in Facebook, wie >Haco-Video<, >Spaniencamper<, >Wintercamping Spanien & Portugal<, >Überwintern in Spanien & Portugal mit Wohnmobil…<, sowie >Frei stehen – autark campen<„! Hier konnten wir die, in der Regel seriösen und für uns zutreffenden, regionalen Bestimmungen und Tipps abgreifen! Wobei ich die Moderatoren öfter sehr bewundert habe, da doch eine Menge unqualifizierter und böser Kommentare ausgetauscht wurden und der Sinn u. Zweck mancher Gruppe zu kippen drohte! 

Uns sind dankenswerter Weise bösartige Anfeindungen erspart geblieben.
Natürlich haben wir mitbekommen, dass Einige aus unserem Umfeld schon mit „gerunzelter Stirn“ oder einmal sogar mit „erhobenem Zeigefinger“ unsere Reise verfolgt haben!

Für die Stellplatze haben wir meistens die App „Campercontact“ und „park4night“ genutzt! Wobei Campercontact leider viele „Parkplätze“ ausgewiesen hat deren Einträge, aus dem Frühjahr 2020 oder älter, häufig nicht mehr zutreffend sind. In Spanien haben wir allerdings auch sehr viel Engagement zum Bau neuer Stellplätze gesehen bzw. diese auch teilweise schon genutzt!

Unser Ziel, in der Natur und mit viel Abstand unterwegs zu sein, ließ sich jedenfalls sehr gut umsetzen. Ich glaube sogar, dass wir nie wieder Küsten-Trails, Strände oder Bergetappen oder auch touristische „Hotspots“ wie z.B: „Kloster Montserrat“ mit so wenig Menschen erleben werden. Obwohl eine Menge Wohnmobile aus Europa unterwegs waren, sind die Plätze doch oft nur ca. zu einem Drittel gefüllt gewesen! Das wird es wohl in Zukunft so auch nicht mehr geben!

Leider haben wir auch verfolgt, das neue gesetzliche Regelungen, besonders in Portugal, das „Freistehen“ erschweren, bzw. fast unmöglich machen werden. Wie lange das noch in Spanien geduldet wird, wird sich zeigen!

Insgesamt hatten wir kaum Kontakt mit den Behörden und wurden bei Straßensperren freundlich durchgewinkt; wobei wir Fahrverbote, besonders um die Feiertage herum, immer eingehalten haben! Den ersten wirklichen Kontakt mit den Corona-Virus-Auswirkungen hatten wir bei der Rückreise, dem PCR-Test und der Einreisekontrolle in Frankreich. 

Klimatisch, war nach Aussage vieler „Überwinterungsprofis“, dieser Winter wohl einer der kältesten Winter seit vielen Jahren! Wir haben das Beste daraus gemacht und sind auch häufig der Wettervorhersage und der Pandemie bedingten Situation gefolgt!

Unser „Dirty Harry“ hat sich von seiner besten Seite gezeigt und keinerlei Störungen produziert! Wobei sich in kalten Nächten die zusätzliche Dieselstandheizung sehr bewährt hat, um z.B. morgens das Kondenswasser von den Scheiben zu trocknen und die Temperatur schnell hochzufahren! Die Solaranlage arbeitete auch perfekt, sodass auch an bedeckten Tagen kaum Landstrom nötig war! Einzig beim Hymer-Aufbau muss ich erneut die Führungsschienen der Schubladen tauschen, da sich auf „Rüttelstrecken“ wieder die Gleitkugeln aus den Schienen im Wohnmobil verteilt haben! Wahrscheinlich laden wir auch zu viel in die Schubladen!? -:)))

Aber ansonsten haben wir das Leben, mehr als sechs Monate, in ca. 10 Quadratmetern mit Mini-Küche, (in den Wintermonaten waren die Tage schon kurz, früh dunkel und abends frisch) gut hinbekommen! Natürlich gab es auch weniger schöne Momente, wenn z.B. der Sturm so stark war, dass die Kabine heftig schaukelt oder der Regen so nieder peitschte, das durch das Trommeln nicht an Schlaf zu denken war. Davon gab es aber nur 3-4 Nächte. Auch wenn mal die volle Kaffeetasse hingefallen oder der Rotwein umgekippt ist oder sich gefühlt „tausend“ Süßstofftabletten im Wohnmobil verteilt haben, die Kaffeemaschine ihren Überlauf während der Fahrt auf dem Teppich verteilt hat, ja so die täglichen Kleinigkeiten des Lebens, haben wir das mit „leichten“ Diskussionen überstanden ;-)). Dankbar bin ich, dass wir quasi nur „Luxusprobleme“ hatten und wir uns jeden Tag des Lebens freuen konnten!

Als einmal ein französisches Ehepaar mit einem völlig neuen Wohnmobil, ohne jegliche Erfahrung, um meine Hilfe gebeten hatte, da sie mit der Stromversorgung nicht klar kamen, und ich feststellen musste, dass deren in Eigenbau hergestellter Anschluss in der Heckgarage „lebensgefährlich“ installiert war, habe ich da natürlich alles gerichtet. Leider hatte ich anschließend zwei weniger gute Nächte, da ich befürchtet habe, wegen des fehlenden Abstands und deren kurz zurückliegender Anreise aus Frankreich, infiziert worden zu sein! War natürlich alles der Psychologie geschuldet! Auch den eigenen Körper zu beobachten und jedes Husten zu registrieren, war ein ständiger Begleiter. Wäre aber wohl zu Hause genauso gewesen! Auch als genau drei Tage vor dem entscheidenden PCR-Test für die Rückreise durch Frankreich bei mir Unwohlsein einsetzte, war ich nicht gerade begeistert und dementsprechend nervös beim Test! Aber alles war gut!

Die erlebte Freiheit und phantastische Natur, Landschaften, Dörfer, Städte gesehen zu haben und nette Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen kennen zu lernen war für uns alle Anstrengungen wert!! Kulinarisch sind wir auch nicht zu kurz gekommen, obwohl diesmal mehr Selbstversorgung als bei uns sonst üblich notwendig war!

Bedanken muss ich mich auch sehr bei meiner Renate, die meine Bedenken hier und da und meine eher ruhige Besonnenheit durch ihre unerschöpfliche Aktivität und Kreativität mehr als ausgeglichen hat!

Auch unsere Gastgeber*innen in Portugal, wie auch in Spanien, waren sehr herzlich und hilfsbereit und haben uns dieses etwas andere Weihnachten und Silvester, als Beispiel, unvergesslich gemacht. Paula und Noberto vom Stellplatz Sao Bras de Aportel in Portugal möchte ich in diesem Zusammenhang besonders erwähnen. Einen Monat lang durften wir ihre Gastfreundschaft genießen. Bevor wir leider wegen der Pandemie-Entwicklung nach Spanien ausgereist sind.

Ungeplant wurde die Reise, durch die Situation in Deutschland, zwar einen Monat länger, doch es ist auch wieder schön zu Hause zu sein! Die südliche Mentalität bei der Einstellung bzw. Umgang miteinander fehlt uns zwar etwas, wenn man so die Medien verfolgt!

Wir sind jedenfalls wieder herzlich aufgenommen worden. Können hier
regelmäßig eine Antigen-Test, quasi vor der „Haustüre“, machen und haben auch sofort Impftermine erhalten.

Also, nach der Reise ist vor der Reise! Mit dann hoffentlich neuer
Normalität!

8 Kommentare bei „Sunshine-Tour im Winter: Von Klöstern, Katalonien und anderen Köstlichkeiten; Schlussetappe und Fazit“

  1. Johannes Thissen sagt: Antworten

    Hut ab! Herzlichen Dank für einen ganz tollen Reisebericht über einen längeren Zeitraum mit ebenso tollen Foto’s. Ich bin restlos begeistert. Wie heisst es doch bei einem ARD-Sender: „Mittendrin, statt nur dabei!“
    Bleibt gesund und liebe Grüße aus Neuss!

    1. Genau so soll es sein, Johannes. Mittendrin, statt nur dabei. Das ist unser Anspruch! Danke für diese schöne Rückmeldung! Im Spätsommer wollen wir wieder on tour sein! und hoffentlich ihr virtuell mit uns!
      Herzliche Grüße
      Renate & Dieter

  2. Martina und Roland sagt: Antworten

    Schön, dass ihr wohl behalten zurück seid.
    Einen tollen Sommer made in Germany wünschen wir euch und
    freuen uns jetzt schon auf den Herbst 🙂

    1. Schafft nicht soviel! Wir wünschen euch ein schönes Wochenende und freuen uns auf ein Wiedersehen! Herzliche Grüße von uns :-))

  3. Super geschrieben!
    Ein herzliches Dankeschön

    1. Danke Karin! Bis zum nächsten Mal! Und ein schönes Wochenende von uns! :-))

  4. Liebe Renate,
    es war wie immer toll mit euch zu reisen.
    Vielleicht schaffen wir dieses Jahr ein Treffen…ich bin mit Impfen durch und ihr ja auch bald.

    Gutes Ankommen zuhause, liebe Grüße auch an Dieter, Sigrid

    1. Ich freue mich immer, wenn Du mit uns reist, Sigrid :-)). Freue mich auch über unser Treffen im Sommer. Melde mich nach dem Impfschutz bei Dir. Jetzt erstmal den Garten genießen und auf die sonne warten! Schönes Wochenende wünschen wir Dir!

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